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Impressum

Das Orchester Harry Hermann
 
 
Rundfunkorchester des NWDR
 
in den 50/60er Jahren
 
Harry Hermann Spitz
 
Dirigent und Musikleiter
 
Das Orchester Harry Hermann wurde berühmt wegen seines unverwechselbaren  Klangkörpers im sinfonischen Stil und seiner eigenwilligen Orchestrierung bekannter Evergreens und Musical-Melodien. Dabei griff es viele musikalische Stilelemente des Komponisten George Gershwin auf. Zudem könnten die Arrangements des Orchesters Andre Kostelanetz in den 40-er/50-er Jahren für Harry Hermann ein Vorbild gewesen sein.
 
               Im Rundfunk begann Harry Hermann stets mit seiner Erkennungsmelodie "Embraceable you". Besonderen Hörgenuss bereiteten die aufwändige Stimmenaufteilung innerhalb des Streicherapparates sowie die reichhaltig abwechselnde Melodienführung durch Soloinstrumente wie Posaune, Altsaxofon, Violine, Cello,  Mundharmonika, Hammondorgel und Klavier. Damals berühmte und bis heute unvergessene Gesangs- und Instrumentalsolisten traten auf.  Das Orchester begleitete sie stets mit einfallsreichen Melodieumschreibungen und aufwändiger sinfonischer Instrumentalfülle, Harmonisierung und Transponierung.
 
Ein auffallendes Merkmal im Arrangement waren bisweilen große Spreizungen zu Beginn oder zum Ende einer Melodie - meist mit Tempiverlangsamungen verbunden, die manche Musiker im Orchester nicht unbedingt begrüßten. Aber der Dirigent hatte schließlich das Sagen! Dies wurde zudem bald zu einem spezifischen Merkmal des Orchesters und ich verstehe nicht, warum man einige davon auf den genannten CDs weggeschnitten hat. Auch über einzelne Mischkopien, wenn auch meisterhaft gemacht und nur für echte Kenner dieser Musikstücke erkennbar,    kann man geteilter Meinung sein, da sie das ursprüngliche Arrangement verfälschen.
 
Hervorheben muss man die gute Tonqualität, die uns das Schallarchiv des Norddeutschen Rundfunks auf CD gebracht hat. Schade, dass es davon nicht mehr gibt! Somit kann ich besonders stolz auf meine privaten Mitschnitte sein, wenn diese auch nicht eine so hohe Wiedergabequalität besitzen, wie die 1 : 1 Kopien aus dem Schallarchiv.
 
Spitzenwerte jener "gehobenen sinfonischen Unterhaltungsmusik" waren die äußerst voluminösen Orchester-Arrangements der Titel "Ebbe und Flut", "What is this thing called love", "Die Nacht singt heut ihr zärtlichstes Lied",  "Temptation", "The bad and the beautiful" und "Body and Soul". 
 
Harry Hermann brachte viele "nichtdeutsche" Rhythmen mit entsprechenden bisweilen exotischen Percussions in seine Orchestrierungen und Arrangements  ein (Beispiele: "Cumana", "The breeze and I", "Tabu", "Jezebel", "Love for sale", "Fandango", "I know, that you know" ...),  wodurch seine Musik damals von einigen Kritikern als etwas "undeutsch" im Vergleich zur Musik des Kölner Orchesters "Hermann Hagestedt" eingestuft wurde.
 
 
Er leitete den größten Klangkörper der ARD
 
Unter den Rundfunkorchestern der ARD-Anstalten stellt das Orchester Harry Hermann eine Besonderheit dar. Einen ähnlichen Klangkörper hat es in der deutschen Rundfunklandschaft weder vor noch nach dem Kriege jemals wieder gegeben. Die Zahl der Musiker schwankte zwischen 50 und über hundert !!! Harry Hermann allein hatte die Möglichkeit, ein so großes Rundfunkorchester aufzustellen. Warum? Er bekam Ende 1947 in Hamburg beim damaligen NWDR die Stelle als Hauptabteilungsleiter für Musik. Deshalb konnte er die Musiker verschiedener Rundfunkorchester des damaligen NWDR mit einsetzen:
 
Harry Hermann nahm eine Doppelfunktion als Dirigent und Musikchef wahr
 
Einen so großen und teuren Klangkörper heute aufzustellen, wäre schon aus Kostengründen undenkbar. Aber in den ersten Nachkriegsjahren war vieles möglich.
 
Harry Hermann Spitz wurde 1899 in Brünn (Österreich) geboren. Er lebte in Wien und studierte dort Musik. Er wurde ein berühmter Bratschist (Instrument: Viola oder Bratsche) und trat mit seinem Guarneri-Quartett in fast allen Ländern Europas und in Amerika auf.  1929 kam er nach Köln zur WERAG,
der damaligen westdeutschen Rundfunkgesellschaft.
 
Im Dritten Reich floh er nach Frankreich und kam 1940 in ein deutsches KZ. Dort wurde er 5 Jahre festgehalten. Nach dem Zusammenbruch ging er nach Schweden, wo er Kapellmeister beim schwedischen Rundfunk wurde.
 
Seine Stelle als Hauptabteilungsleiter für Musik Ende 1947 in Hamburg beim NWDR erhielt er, da er vor 1933 bereits in Köln in der Rundfunkabteilung an führender Stelle organisatorisch gearbeitet hatte und daher über entsprechende Erfahrungen sowohl auf dem Musik- als auch auf dem Verwaltungssektor verfügte. Sein Leitspruch hieß: Es gibt keine "leichte" und "schwere" Musik, sondern nur "gute" und "schlechte".
 
Auch seine Kritiker bestätigten ihm bald, dass sowohl seine klassische als auch konzertante Tanzmusik gute Musik sei. Sein Verdienst ist es z.B. auch, dass 1954 aus dem Nachlass von Arnold Schönberg die Oper "Moses und Aaron" uraufgeführt werden konnte. Harry Hermann hatte die Partitur aus dem Nachlass Schönbergs erworben und konnte damit jene Uraufführung vorbereiten und durchführen.
 
Wenn die Erkennungsmelodie "Embraceable you" (Gershwin) ertönte, war Qualität in der Unterhaltungsmusik angesagt. Die Einrichtung der ersten UKW-Programme in jener Zeit lief dazu parallel. Vorher konnte man Musik nämlich nur über Mittelwelle empfangen. Die neuen zweiten UKW-Programme mussten mit viel Musik versorgt werden. So spielten allein im NWDR und späteren NDR drei Tanzorchester um die Wette: Günter Fuhlisch, Alfred Hause und Franz Thon. Das Orchester Harry Hermann , das Mitglieder aller Orchester in sich vereinigte, was sozusagen die Krönung. 
 
Der größte Teil aller Einspielungen des Orchesters sind Instrumentalaufnahmen, die von erstklassigen Arangeuren bearbeitet wurden. Harry Hermann setzte Qualtitätsmaßstäbe, die die Orchester des NDR weit über die Grenzen Norddeutschlands bekannt und geachtet werden ließen. In seinen letzten Lebensjahren, in denen Harry Hermann gesundheitliche Probleme dazu zwangen, nur noch gelegentlich zu dirigieren (seinen Posten als Musikchef hatte er bereits 1956 abgegeben), sah man ihn auch im Fernsehen in der beliebten Sendereihe "Musik für Millionen". So wurde er auch einem breiten Fernsehpublikum bekannt.
 
Berühmte Gesangs- und Instrumentalsolisten
mit dem Orchester Harry Hermann:
 
 
Fritz Schulz-Reichel (der "schräge Otto"), Klavier
Horst Fischer, Trompete
Jean "Toots" Thielemans, Mundharmonika
Jonny Müller, Mundharmonika
 
Peter Kreuder, Klavier
Kurt Wege, Klarinette
Heinz Mihm, Altsaxophon
Helmut Zacharias, Violine
Gerhard Gregor, Funkorgel
Anneliese Rothenberger, Sopran
Gitta Lind, Sopran
Edith Lang, Alt
 
Lawrence Winters, Bariton
Bibi Johns, Sopran
Gisela Griffel, Sopran
Detlev Lais, Tenor
 
Margot Hielscher, Sopran
Sari Barabas
Fred Bertelmann, Tenor
Heinz Hoppe, Tenor
 
Herbert Heinemann, Klavier
Georg Haentzschel, Klavier
Heinz Reese, Posaune
Franz Thon, Klarinette und Saxophon
Svend-Saaby-Chor
 
Das Orchester Harry Hermann
 
Mein eigenes Schallarchiv
 
Wie ein Roman - Grüß mir mein Wien - Ganz leise - Es ist nur die Liebe - Sing mit mir - Nur eine Stunde - Illusion - Ein Glück, daß man sich so verlieben kann - You and the night and the music - "Festival" - Du bist die Welt für mich - Holidays for strings - Über die Prärie
 
Flamingo - Freunde, das Leben ist lebenswert - I know - Schau in meine Augen -
Embraceable you - From here to eternity - Drei Münzen im Brunnen -This heart of mine With a song in my heart - Laura - Make believe - Ein kleiner Akkord - Der schönste Liebestraum - Ganz leis erklingt Musik - Some enchanted evening
 
Temptation - All the things you are - La le lu - Donkey serenade - Ich bin nur auf der Welt, um glücklich zu sein - Die Nacht ist voller Zärtlichkeit - Das Sternenlied - The breeze and I - Rot glüht die Ampel am Weg meines Lebens - Pour une femme - Alles vergessen (The Story of Tina) - Dreh dich noch einmal um - Jezebel - Der Schleier fiel (Falling Leaves) - So schön wie heut - Die kleine Stadt will schlafen gehn - Do not for sake me o my darling - Mambo Jambo - Einmal sagt man sich ade - So viel Herz
 
What is this thing called love - Ebbe und Flut - C' est ci bon - How high the moon - Somebody loves me - Blue moon
 
 
Cherokee- Time on my hands - El cumbanchero - Tea for two - Warum, Cherie? - Fandango - I cover the waterfront - Bewitched - Just one of those things - Ruby - Besame mucho - Piano-Medley (Wenn ich dich seh, Die Nacht singt heut ihr zärtlichstes Lied, Cumana) - Love is a many splendored thing - When a woman loves a man
 
Criollo - Giez-Melodien - Musik erklingt- Jonny Guitar - Die Ballschöne - Stardust - Valse Euridice - I'll see you in my dreams -The high and the mighty - Be my love -Zauberhafter Frühling - Auch du wirst mich einmal betrügen -TABU
 
Bei dir war es immer so schön - Somewhere over the rainbow - Good night, sweetheart - Alone together -These foulish things - Geh Hand in Hand mit mir - Once in a while -The song is you - Andalucia - Smoke gets in your eyes - Sambarita (James Last) - You'll never walk alone - Beware - Du bist die Liebe - Musikverrückt - In mir klingt ein Lied - Torna suriento
 
I' m in the mood for love - Begin the beguin - Du, du, du - Ich weiß, wo ich hingeh -
Poincana - Muchacho - Love for sale - Fascinatin' rhythm - Wonder why - Estrellita - Guapparia - Calypso cazimbas - Zwei Märchenaugen - Wenn die Violine spielt - Frag nicht warum ich gehe
 
Alaska - Lover come back to me - Georgine - The man I love- I' ll close my eyes - True love - Ol' man river - Sweet sue - s' wonderful - Amsellied - There is no business - Mucho, mucho - Dancing in the dark - Der Student geht vorbei - C' est ci bon - Greif nicht nach den Sternen I've got you under my skin - Wenn die Sonne hinter den Dächern versinkt
 
Wenn die Liebe nicht wär' - Im Cafe de la paix in Pars - Nightingale - Love walked in  - How long has this been going on- The man I love - O dany boy - Die Musik ferner glücklicher Zeiten  - Long ago and far away - With these hands - Sweet and Lovely -  (...)
 
!
Es handelt sich um meine privaten Rundfunk-Tonbandmitschnitte aus den späten 50er und frühen 60er Jahren. Zu den wenigsten Sendezeiten konnte ich zu Hause anwesend sein. So bastelte ich mir aus zwei Weckern Schaltuhren, mit denen ich die Sendungen automatisch aufnahm. Nur auf diese Weise wurde es mir ermöglicht, so viele Titel dieses Orchesters zu sammeln.
 
Meine privat neu erworbenen Titel, rein instrumental arrangiert,
verdanke ich Herrn Hans Buchholz:
 
Hab ein blaues Himmelbett
Gern hab ich die Frau´n geküsst
Niemand liebt dich so wie ich
Verträumt und verliebt
Madonna, du bist schöner als der Sonnenschein
Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände
Liebling, mein Herz lässt dich grüßen
Immer nur lächeln
Grüß mir mein Wien
Es muss was Wunderbares sein
Tanzen möcht ich
Bis du´s , lachendes Glück?
Sweetheart
 
Titel der im April 2011 erschienenen Edition
Harry Hermann "Long ago and far away"
 
CD 1:
 
Long ago and far away
Du bist Musik
There is no you
Geh Hand in Hand mit mir
The touch of your lips
Ich weiß, wo ich hingeh
Autumm in New York
Out of the world
The breeze and I
I surrender dear
The very thought of you
Was kann so schön sein wie deine Liebe
Brasil
Amapola
Mucho, mucho, mucho
El cumbanchero
Amado mio
3 Gerhard Winkler Melodien
Ein Student geht vorbei
Just one oft those things
Schröder Melodien
I love Paris
Einmal sagt man sich adieu
 
CD2:
 
Aufklang - Musik für Millionen
Nur eine Stunde
From here to eternity
How deep is the ocean
One morning in may
Estrellita
Temptation
I´ll close my eyes
Hab mich lieb = Filmmusik
How high the moon
The word is waiting for the sunrise
Pour une femme
Potpourri = Operettenklänge
So in love
I´ll see you in my dreams
The way you look tonight
I got rhythm
Holidays for strings
Love walked iin
The song is ended
 
CD3
 
When a woman loves a man
When I fall in love
How long has this been going on
Bei mir zu  Haus
London by night
Stormy weather
Wunderschön
Medley für Posaune
The proud ones
Ich mache alles mit Musik
September in the rain
Denk an mich
Je suis seul ce soir
Blue moon
Donkey serenade
Muchacho
Candy
Caliypso cazimbas
Cherokee
Vergessen - Tina
 
CD 4 
 
There´s no business
Tagaus, tagein
Halbzart
Green eyes
The proud ones
Prelude to a kiss
Time after time
This heart of mine
Je suis seul ce soir
Vision bleue
Out of my dreams
I know that you know
Va
Shame
Souvenir
From this moment on
Blue mirage
Was kann so schön sein
Candy
Dancing in the dark
You go to my head
Adios
 
Dies ist die dritte Folge einer Harry Hermann CD- Ausgabe, wieder mit zahlreichen Erstveröffentlichungen.
Die beiden früheren CD- Editionen sind leider nicht mehr im Angebot.
Nun also 4 CDs mit dieser Musik, die von um die hundert Musikern gemacht wurde. Das hat es so wohl nicht wieder gegeben. 
 
Anmerkung: Es existieren folgende Harry Hermann - Editionen von Hans Buchholz:
 
1.  Harry Hermann, das Orchester (3 CDs)
2.  Sinfonische Tanzmusik vom größten Rundfunkorchester aller Zeiten (Doppel-CD)
3.  Das Orchester Harry Hermann "Long ago and far away" - 4 CDs
 
Weitere Informationen zum Schallarchiv auf Anfrage
 
Die neue Edition Harry Hermann
 
 
"Long ago and far away" mit 4 CDs
können Sie bestellen bei:
 
Bob´s Music
Versand und Verlag
Postfach 615 602
22433 Hamburg
 
Best.Nr. 4CD 028385
Preis 45 €
(noch Restposten vorhanden)
 
 
Derselbe Musiksommer kommt nicht wieder
 
Das Orchester Harry Hermann stellt etwas Einmaliges unter den diversen Rundfunkorchestern der ARD- Anstalten dar. Einen ähnlichen Klangkörper hat es in der deutschen Rundfunklandschaft weder vor 1945 noch danach bis heute jemals wieder gegeben. Es wirkten einmal 50 oder 80 und manchmal auch über 100 Musiker gleichzeitig (!) mit. Das Orchester wurde anlässlich George Gershwins 60. Geburtstag vom seinerzeitigen Leiter der Musikabteilung des damaligen NWDR, Harry Hermann Spitz, gegründet - so will es jedenfalls die Legende, doch das wäre erst 1958 gewesen.
 
Er allein hatte die Möglichkeit, ein so großes Orchester aufzustellen, das aus Musikern verschiedener Rundfunkorchester des damaligen NWDR bestand, nämlich des Sinfonieorchesters unter Leitung von Dr. Hans Schmidt- Isserstedt, des Hamburger Rundfunkorchesters unter Leitung von Willy Steiner und Wilhelm Stephan, des Kleinen Unterhaltungsorchesters unter Leitung von Walter Günther und der Tanzorchester unter Leitung von Alfred Hause, Franz Thon und Günter Fuhlisch.
 
Ein so großer und teurer Klangkörper wäre keinem anderen zugebilligt worden als Harry Hermann Spitz, der in seiner Doppelfunktion als Musikchef und Dirigent so etwas fertig brachte. In den ersten Nachkriegsjahren war vieles möglich, was heute schon aus Kostengründen undenkbar wäre. Außerdem hatte Harry Hermann Spitz den "Bonus", unter der rassistischen Verfolgung der Nazis gelitten und trotzdem überlebt zu haben - vielleicht, weil er sich Anfang 1945 aus dem mit KZ-Häftlingen vollgepferchten Dampfer "Cap Arcona" nach dessen Bombardierung retten konnte.
 
Harry Hermann Spitz wurde 1899 - noch in der Ära der Habsburger - in Brünn geboren. Er lebte in Wien, wo er Musik studierte, machte als Bratschist mit dem berühmten Guarneri- Quartett Konzertreisen in fast alle Länder Europas und nach Amerika. Er kam 1929 nach Köln zur WERAG, wie sich die Westdeutsche Rundfunkgesellschaft damals nannte. Das Dritte Reich zwang ihn zur Flucht nach Frankreich, doch 1940 brachten ihn seine Häscher in ein deutsches KZ, in dem er fünf Jahre festgehalten wurde. Die Folgen dieser Zeit hat er nie ganz überwunden.
 
Nach dem  Zusammenbruch ging er nach Schweden, wo er Kapellmeister beim Schwedischen Rundfunk wurde. Da er aber vor 1933 bereits in Köln in der Rundfunkabteilung an führender Stelle organisatorisch gearbeitet hatte und daher über entsprechende Erfahrungen sowohl auf dem Verwaltungs- als auch auf dem Musiksektor verfügte, bekam er Ende 1947 in Hamburg beim damaligen NWDR die Stelle als Hauptabteilungsleiter für Musik.
 
Musikalität ist stets das tragende Element in der Arbeit von Harry Hermann Spitz geblieben, denn sein Leitspruch hieß: "Es gibt keine ´schwere` oder ´leichte` Musik, sondern nur ´gute` und ´schlechte`". Schnell bestätigten ihm auch seine Kritiker, dass alles, was er anpackte - ob klassische oder konzertante Tanzmusik -, gute Musik sei. Obwohl sein Leben in der ersten Hälfte der 50er Jahre zwischen Notenpult und Schreibtisch verlief, stand bei ihm seine Dirigententätigkeit stets an erster Stelle.
 
Er begründete auch das so genannte "Neue Werk", eine Veranstaltungsreihe, in der seinerzeit beispielsweise die Oper "Ein Landarzt" nach Kafka mit der  Musik von Hans-Werner Henze im Funk uraufgeführt wurde. In der Reihe "Alte Werke" hingegen konnte man die Musik der alten Meister regelmäßig hören. Damit stellte er der Öffentlichkeit vergessene Oeuvres großer Komponisten vor. Ein Ereignis von überzeitlicher Bedeutung in der Musikgeschichte war 1954 die Uraufführung der nachgelassenen Oper "Moses und Aaron" von Arnold Schönberg, deren Partitur Harry Hermann Spitz aus dem Nachlass Schönbergs erwarb und deren schwierige Vorbereitung und Ausführung er verantwortete. Die Musik in allen ihren Formen war das Arbeitsfeld dieses ganz seiner Kunst hingegebenen Musikers, und seine Musikabteilung an der Rothenbaum - Chaussee galt als avant- gardistisch, bis die immer mächtiger werdende Konkurrenz des nun vom NWDR losgelösten Senders WDR in Köln diesen Platz einnehmen konnte.
 
Harry Hermann Spitz investierte sein Prestige zwar mit Vorliebe in die Sparte Unterhaltungsmusik, doch ist die Erfindung der so genannten Funkoper, i.e. eigens für die Rundfunk komponierte Opern, weitgehend sein Verdienst.
 
Die ersten Aufnahmen aus den Jahren 1951/52 laufen noch unter "Das große Rundfunkorchester unter Leitung von Harry Hermann", bis sich dann 1952 endgültig der Name "Das Orchester Harry Hermann" etabliert. Die Erkennungsmelodie wird Gershwins "Embraceable you", und wenn sie im Rundfunk erklingt, ist Qualität angesagt.
 
In diese Zeit fällt auch die Einrichtung des UKW-  Programms, denn bis 1950 hatten alle Rundfunksender nur das Mittelwellenprogramm  im Angebot.
 
Als die UKW-Wellen technisch für den Rundfunkempfang genutzt werden konnten, entstanden die so genannten zweiten Programme auf UKW, die ein großes Musikangebot erforderlich machten. Allein im NWDR und späteren NDR wetteiferten drei Tanzorchester unter Günter Fuhlisch, Alfred Hause und Franz Thon um die Gunst der Hörer, und das Orchester Harry Hermann, das Mitglieder aller Orchester in sich vereinigte, war sozusagen die Krönung.
 
Günter Fuhlisch erinnert sich, dass es eine Spezialität von Harry Hermann war, die gespielte Musik etwas "in die Länge zu ziehen", während die Orchestermitglieder - oft fast heimlich - darauf drangen, mehr "nach vorn" zu spielen, um die breit angelegten Tempi des mächtigen Klangkörpers insbesondere am Ende der Musikstücke nicht zu sehr zu spreizen, obwohl letzten Endes stets der Dirigent das Tempo bestimmt.
 
Er setzte sich als Leiter der Musikabteilung sehr für die Belange der Orchester und Mitarbeiter ein, wie Zeitzeugen berichten. Wie viele große Menschen erlitt auch Harry Hermann das Ungemach von Verleumdungen, die ihn 1956 innerlich so trafen, dass er sich nicht mehr in der Lage fühlte, die Hauptabteilung Musik weiterleiten zu können. Er widmete sich daraufhin ausschließlich seiner Tätigkeit als Dirigent des einmaligen Klangkörpers "Das Orchester Harry Hermann".
 
Seine Arbeit am NWDR brachte natürlich auch einige Veränderungen mit sich, die ihm nicht  nur Freunde verschafften. Doch die Orchesterleiter Franz Thon, Alfred Hause und Günter Fuhlisch sagen übereinstimmend, dass Harry Hermann neuen Ideen aufgeschlossen gegenüber stand und viel für alle Orchester des NDR getan hat. Er bot den Musikern Möglichkeiten zu ihrer musikalischen Entfaltung und hat ein Jahrzehnt die Musik im NDR gestaltet. Als er sein Amt 1947 übernahm, war die Arbeit im deutschen Rundfunk nicht gerade leicht, denn speziell im Sektor der Unterhaltungsmusik gab es keine Maßstäbe mehr - außer der ewigen Suche nach Melodien, denn wenn diese ausgehen, gibt es auch keine Musik mehr.
 
Der größte Teil aller Einspielungen sind reine Instrumentalaufnahmen, die von erstklassigen Arrangeuren bearbeitet und häufig von Spitzendirigenten wie Richard Müller- Lampertz, Alfred Hause oder Wilhelm Stephan einstudiert wurden. Harry Hermann setzte Qualitätsmaßstäbe, die die Orchester des NDR weit über Norddeutschlands Grenzen hinaus  bekannt und geachtet werden ließen. Der SPIEGEL schrieb schon 1949: "Das Harry-Hermann-Radio- Tanzorchester und der NWDR- Musikabteilungsleiter Harry Hermann Spitz persönlich machen Musik - sehr viel Musik". Die vielleicht ironisch gemeinte Bemerkung ist gleichwohl ein Kompliment für Harry Hermann, der seinen Posten als Musikchef 1956 an Rolf Liebermann übergab. Dieser gab ihn jedoch schon nach zwei Jahren an Winfried Zillig ab, nachdem er zum Intendanten der Hamburgischen Staatsoper ernannt worden war, was vielleicht ohnehin seiner Lebensplanung entsprach.
 
In seinen letzten Lebensjahren, in denen Harry Hermann gesundheitliche Probleme zwangen, nur noch gelegentlich zu dirigieren, sah man ihn auch im Fernsehen, und er hatte großen Anteil an der beliebten Sendereihe "Musik für Millionen", die ihn einem breiten Fernsehpublikum bekannt machten.
 
Heute noch lebende Interpreten und Solisten erinnern sich an ihre Aufnahmen bei und mit Harry Hermann voller Hochachtung. So schreibt zum Beispiel Anneliese Rothenberger 1997: "Die beiden von mir gesungenen Titel "Zauberhafter Frühling" und "In mir klingt ein Lied" finde ich ganz besonders schön. Dieses großartige Orchester unter Harry Hermann Spitz, bei dem auch Hans Last (James Last) mitwirkte, stellt für mich allerschönste Erinnerungen dar"! Die leider zu früh verstorbene Gitta Lind hat beispielsweise ihre Aufnahme von "Ruby" stets als ihre schönste Rundfunkaufnahme bezeichnet - und war traurig, dass es damals noch keine Möglichkeiten gab, eigene Rundfunkaufnahmen zu erwerben.
 
Harry Hermanns Herz wurde Ende der 50er Jahre immer schwächer und er übergab den Dirigentenstab 1961 an Richard Müller- Lampertz, der das Orchester noch kurze Zeit weiterführte. Als Harry Hermann am 10. Juni 1961 verstarb, hinterließ er allen Musikfreunden etwas Einmaliges, nämlich die herrlichen NDR- Musikaufnahmen des großartigen Klangkörpers  "Das Orchester Harry Hermann".
 
Vor einigen Jahren hat Hans Buchholz, Hamburg, dafür gesorgt, dass viele der bis dahin vom Schallarchiv des NDR in Hamburg unter Verschluss gehaltenen Aufnahmen als "Erstveröffentlichungen" auf mehreren CDs erschienen sind.
 
Ich selbst verfüge in Form alter originaler eigener Magnetbandmitschnitte fast über das gesamte Repertoire jenes Orchesters, und viele jener Aufnahmen sind trotz zunehmender altersbedingter Tonqualitätsverluste noch durchaus "anhörbar".
 
Die erwähnten CDs und meine privaten Mitschnitte sind für mich ein kostbarer Musikschatz. Erst wenn niemand diese Musik mehr hört oder überhaupt von ihrer Existenz weiß, ist sie tot. Bis dann aber werden auch alle Tonträger dieser Musik auf Grund ihres Alters verstummt und entsorgt sein.   
 
Derselbe Musiksommer
 
kommt nicht wieder. Und was wir nun noch dank der Aktivitäten von Herrn Hans Buchholz einfahren können, ist die letzte große Ernte des Herbstes. 
 
DANKSAGUNG
 
Lieber Herr Buchholz,
 
auch auf diesem Wege nochmals herzlichen Dank dafür, dass Sie diesen Musikschatz nach so vielen Jahren als "Erstveröffentlichungen" für uns gehoben haben!
 
Klaus Hoffmann
aktualisiert 30. September 2016