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Kempen/Niederrhein
 
 
Persil bleibt Persil
 
Trara, trara, die Post, sie kömmt!
Schon rappelt´ s an dem Kasten.
Ich stürze hinab, noch im Unterhemd
man sieht mich zum Kasten hasten.
 
Schnell halt ich den Inhalt in der Hand:
Ein Brief ohne Absendername.
Derselbe hat einen Trauerrand,
der Rest ist bloß Reklame.
 
Ich seh mir die Post jetzt genauer an:
Die alte Frau Müller ist tot.
Im Supermarkt gleich nebenan
Persil ist im Angebot.
 
 
Der Maulwurf als Hammerwerfer                                                               ..
 
Stulp, es dümpelt schadlos geifernd Galle
als schockgedünstet tumbe Ehrenfalle,
zentri fugales Schmetter-Links
im Kreisel kreischend Bumbadings.
Des Hasen lispelnd Laufgebumse,
zerlegt des Eichhorns Steiggesumse.
 
Krachzahn, ach was, in lila Zirre
ergibt sich staubend Elch, der Irre.
Ha ha! Hach ha! Du tauber Meis,
inmitten Haufen ohne Scheiß.
Der Maulwurf ist`s, ihm gönnerhaft
zu frönen,  Himmels Steiß.
 
Tumba, Tumbah, lass Krume zittern,
es wird der Morgen kraftlos wittern
von allem Tagesschweiß
den jungen Greis,
der sich mit Hammer schleudernd wehrend
zu neuem Tage sich bekehrend,
ausufernd ruft: Krawel, krawehl,
taubstumme Muse im Ginsterspind,
den Hammer werfend, nichts fürs Kind.
 
 
Tante, Tante - Hohe Kante
 
Die Welt steckt in der Krise,
die Börse ächzt und kracht.
Auch ich hab tausend Miese
ganz plötzlich über Nacht.
 
Doch meine alte Tante,
die ist zwar blöd, doch hat se
ihr Geld auf Hoher Kante
gleich unter der Matratze.
 
Und während meine Pleite
mich nachts in Atem hält,
dreht sie sich auf die Seite
und schläft auf ihrem Geld.
 
Vogel Federlos
oder "Die Tigerente"
oder "Biene Maya"
 
Es flog ein Vogel federlos
auf einen Baum blattlos,
von dort zum Bahnhof gleislos,
weiter zum Schneider fadenlos.
Von dort zum Schuster leistenlos
bis hin zum Bäcker hefelos,
dann noch zum Pastor gnadenlos.
Bestieg den Bus führerlos
und ging zu Fuß, nicht mühelos
bis hin zur Firma atemlos.
Betrat die Halle - arbeitslos.
 
 
O sole mio
 
He junge Frau im blauen Clio!
Fährst sehr dicht auf, o sole mio!
"Warum nur", ich schon mehrmals rief,
"bin ich für dich so attraktiv?"
Mein Kofferraum müsst sich schon falten,
um sichren Abstand einzuhalten.
 
Bedrängt von femininer Nähe
ich mehrmals in den Spiegel sehe.
Erkenne blitzschnell, sonnenklar,
so Mitte zwanzig, blondes Haar.
Und im Gefühl von Weibesnähe
ich fast die Ampel übersehe.
Hat wohl auf "blutorang´" gestanden.
So meine "Freundin" kam abhanden.
 
Mit "attraktiv" war´s wohl nicht weit,
SIE hatte  einfach keine Zeit.
Doch muss sie warten nun auf Grün,
und ich bin weg, hab ihr verziehn.
 
Schlussfolgerung:
 
Wenn SIE auch lang dicht hinten blieb,
so glaub nicht gleich, du seist ihr Typ.
 
 
Ein Samenkorn
 
ist nach kühler langer Nacht
am frühen Morgen erwacht,
weil in glitzerndem Tau
ein Wassertropfen
es wagte, bei ihm anzuklopfen.
 
So beginnt es nun von vorn:
Die Kapsel, gespalten,
wird Leben entfalten,
ein zarter zerbrechlicher Keimling
trägt sich schon zur Schau.
 
Ich möchte ihn pflegen.
Ich sehe immer wieder hin.
Warum? Einfach seinetwegen?
Genau!
 
 
Guten Tag, auf Wiedersehen!
 
Ich geh´ am Bahnhof für mich hin,
frag´ kaum, warum ich hier wohl bin.
Ach ja, gleich dort auf Bahnsteig 10
werd´ meine Frau ich wiederseh´ n.
 
Sie kommt nach Wochen, vier am Stück,
von ihrer Mutter heut´ zurück.
Doch mein´ Begrüßung, kann man sagen,
schlägt meiner Frau gleich auf den Magen:
Nur mag´ re Worte, kaum ein Kuss,
auch die Umarmung warten muss.
 
Sieh! Auf dem Bahnsteig nebenan,
dort hält sich auf ein and´ rer Mann,
umarmt und küsst sein´ Frau ganz herzlich -
nun wird´ s für meine richtig schmerzlich.
 
So hat sie dann zu mir gesagt:
"Schau an, wie´ s dort der and´ re macht!"
 
Die Sache hab´ ich schnell geklärt:
Die Meine kommt, doch Seine fährt.
 
 
Wenn´ s (denn) dazu kommt
 
Zum Arzt kam einst ein ält´rer Mann
und fing sogleich zu klagen an:
"Nach jedem Sex, wenn´s dazu käme,
ein Pfeifen er im Ohr vernähme.
Der Arzt, als lachte er ihn aus,
sprach da: "Woll´n Sie etwa Applaus?"
 
Fazit:
Gib einem Arzt nicht gleich vier Sterne,
wenn er nur sagt: "Das hat man gerne".
 
 
Glückliche Eier von glücklichen Hühnern
 
Von glücklichen Hühnern ein Ei
fiel hin und brach entzwei.
Der Dotter, was tat der wohl tun
nach jener Schalenspaltung?
Er machte es wie sein Huhn -
genoss freien Auslauf und Bodenhaltung!
 
Bemerkung:
 
Mir wurde recht klar auf der Stelle:
Auch glückliche Eier sind Auslaufmodelle.
 
 
Dichten ist schwer
 
Zu dichten, wird heut´ immer schwerer
für Postboten so wie für Lehrer.
Auch Pfarrer, Ärzte, Posaunisten
sieht man auf jenen "schwarzen" Listen.
Ob ich´s vermag? O nein, mitnichten!
Mein Klempner  kann´s, kommt ´s Rohr (ab)dichten.
 
Bedenke aber:
 
Machst du im Leben mal was dicht,
Lyrik ist´s noch lange nicht.
 
 
November
 
Persönlich kenn´ ich einen Dichter,
und zwar von früh´ster Kindheit an.
Grad jetzt tut wieder seine Pflicht er,
Dichter "Nebel" heißt der Mann.
 
 
Männerschuh
 
"Du kaufst dir ständig neue Schuhe!"
klagt meine Frau, und das ist wahr.
Kein Leder lässt mich mehr in Ruhe.
Wir hab´n ja auch das Schumann Jahr! 
 
 
Weihnachtsabend
 
Über hohen Tannenspitzen
sieht man ein Sternlein traulich blitzen,
und in den Herzen wird es warm
mit der Weihnachtsgans im Darm.
 
Vergessen sind mentale Hiebe
und angekratzte Nächstenliebe.
Ob Opa, Mutter, Kind, ob Bruder,
Friedfertigkeit steht nun am Ruder.
In bunt bedrucktem Packpapier
ruh´n Hartz´ Gesetze eins bis vier.
 
Und fängt der Opa an zu meckern,
das Kind sich ernsthaft zu bekleckern,
so drückt man heut ein Äuglein zu:
der Friedensbaum ermahnt zur Ruh´.
Wenn er auch schief steht in dem Ständer,
als bräuchte er ein Schutzgeländer,
vergisst man neben and´ren Dingen
selbst abgebroch´ne Schraubenzwingen.
 
Vorbei Advent, die Zeit des Hastens,
vorüber Tage strengen Fastens.
Was vormals raubte uns den Sinn,
der Heiligabend biegt es hin.
 
Und hat ein Wind, ganz unumwunden,
des Darmes Ausgang doch gefunden,
und war er hörbar noch dazu,
so stört dies heute nicht die Ruh´.
 
Selbst Oma hört´s, es ist zum Schrei´n,
neigt sich zur Tür und ruft: "Herein!"
 
Was menschlich ist, soll auch so bleiben,
darin woll´n wir uns bescheiden.
 
Im Garten draußen rümpft ein Hase
etwas pikiert die Schnuppernase.
 
 
Rückschau nach vorn
 
Wie schnell bin ich schon älter geworden,
doch, wie jung
bin ich noch!"
 
"Kinderjahre,
junge, schöne Blumen!"
Zurück werdet ihr nicht mehr kommen,
doch euren Platz hat eingenommen
-  nicht "kalte, angst- und schreckerfüllte" Zeit -
ein ewig schöner  Platz
steht  nun bereit.
Es ist der Ort,
wo ein Geigenstrich
Zeugnis ablegt
von einer ewig gültigen Verbindung
menschlicher Empfindung
zu dem, was zu lieben
uns sei beschieden!
 
"Kinderjahre, ich hab euch verspielt."
Warum dieses Wehmutsbild,
dass mich zu Tränen rührt?
Diese Jahre sind´s doch,
die werden  vorgespielt!
Ihr Klang in den Ohren
geht niemals verloren.
 
Der Atem des Saxofons,
die Arpeggien der Harfe,
das Weben der Stimmen,
die Klage der Geige,
dies alles
belegt bis zur Neige,
- ein jeder ist Zeuge -
  was uns  bewegt,
unentwegt!
 
Mit jedem Schritt
geh´n wir mit
ein Stück
zu unserem Glück.
 
 
 
Muttertag
 
O Mutter, o Mutter, mir träumte neulich
vom Muttertag, und der war abscheulich!
Woll´n wir nicht deiner Schonung wegen
diesen Tag auf den Mittwoch verlegen?!
 
Vatertag
 
O Vater, o Vater, mir träumte neulich
vom Vatertag, und der war abscheulich.
Reicht es dir nicht, dein männliches Streben
wohl dosiert ein Jahr lang zu leben?!
 
 
Erst März
 
Der liebe Gott hat viel Methoden
zu strafen, jedoch auch zu loben.
 
So freut ihn die Bescheidenheit,
die Demut und die Heiterkeit.
 
So manchen Menschen auf der Welt
bestraft der Herrgott mit viel Geld.
 
Du denkst nun wohl, dies sei ein Scherz?
´s nicht April, es ist erst März!
 
 
Meine liebe Oma!
 
Oma ist mein bestes Stück!
Verhilft seit Jahren mir zum Glück.
Was immer ich auch haben will,
gibt mir die Oma heimlich, still.
 
Kein´ einz´gen Wusch, der mich betroffen,
ließ meine Oma für mich offen.
 
Jetzt ist die Oma weggestorben.
Nun erst beginnen meine Sorgen.
Doch mag ich noch so schwere stöhnen:
Niemand gibt´s, mich zu verwöhnen.
 
Was ich jetzt brauche, was mir lieb,
besorg´ ich mir als Tagesdieb.
Ich raube einfach, hier und dort,
was nun noch fehlt -  etwa ein Mord?
 
Mag sein, dass Omas Geist schon morgen
dies letzte wird für mich besorgen.
 
 
Metamorphose
 
Ein Schmetterling, des Gaukelns satt,
bequemt sich müde auf ein Blatt.
Dort spreizet er, wer säh´ dies nicht,
sein Flügelpaar im Sonnenlicht.
 
Auf einmal sieht der bunte Falter,
wie eine Raupe, hoch im Alter,
sich über einen steilen Stiel
zum Nachbarblatt hoch ziehen will.
 
Das hat sie nur mit letzter Kraft
am Ende schließlich doch geschafft.
 
"Ich sterbe nun," so spricht sie leise,
"dies war jetzt meine letzte Reise."
 
Der Schmetterling ihr Trost anbot:
"Es gibt ein Leben nach dem Tod."
 
 
 
Mosellauf - Lebenslauf
 
Gedanken im Weinberg
Berauschendes Getränk,  schwerelos
Schwere, ein Fatum um mich
 
Glückselige Augenblicke
Schwebendes Fühlen,  wehes Träumen
Leben - Wiederkehr
 
Ehrgeiz, im Flussbett begraben
Hoffnung, im Weinstock empfunden
Traube, Frucht banger Erwartung, Lebenssaft
Salz der Erde
 
Ruhe der Empfindung - Aufruhr im Herzen
Spätes Lesen in Nebel und Kälte
Sonne - Bergung der Wünsche
 
Traube im Sturm über dem Weinlaub
Weinlaub über  Stock und Wurzel
Erdreich
Wärme im Stein
 
Trink Mensch ! Es ist deine Lese
Lies daraus dein Leben
Nimm es mit zur nächsten Einkehr
 
Mosellauf - Lebenslauf
 
 
 
Seltsamer Nebel
 
Seltsam, im Nebel zu gehen.
Man kann gar nichts sehen
schon Stunden lang.
Seltsam, im Nebel zu wandern,
kein Baum sieht den ander´n
und jedem ist bang.
 
Seltsam, im Nebel zu pupen,
wo´s daheim in der Stuben
doch wirksamer wär.
Seltsam im Nebel zu stehen,
man kann mich nicht sehen,
´ne Lampe muss her.
 
Seltsam, im Nebel zu leuchten,
doch nun will mir deuchten,
das nützt gar nicht viel.
Seltsam, im Nebel zu denken,
die Lampe zu schwenken
ohn´ Sinn, ohne Ziel.
 
Seltsam, im Nebel zu laufen,
man kann sich nichts kaufen,
selbst Kaugummi nicht.
Richtig, den Nebel zu meiden,
wer kann ihn schon leiden,
jetzt kaue ich nicht.
 
 
"Net" , nicht ?
 
Der Vater surft im Internet.
Die Kinder "gamen" noch im Bett.
Nach jedem Hunger, der gestillt,
wurd´ gleich ihr nächster Wunsch erfüllt.
Die Mutter schaut ins "Pay - T V".
Die liebe Oma sieht man nie,
doch ist zum Abgeben von Zeichen
sie stets per Handy zu erreichen.
Der Opa lebt im Altenheim,
gab ab den geist´gen Führerschein.
Die jüngste Tochter "e -  mailt" schon
nach ihrem Freund in Iserlohn.
Ihr Bruder hat, man muss ihn loben,
durch "Online Banking" Geld verschoben.
Ja!   Die Familie findet´s fein:
Seit Januar ist sie "online"!
 
Die Jüngsten zogen, nicht gelogen,
als "Rohlinge" und "frei" erzogen,
ins erste Schuljahr bald hinaus
und ließen dort "die Sau heraus".
Als hartnäck´ge "Computerviren"
sie nun im "Grundschul-Net" agieren.
Die Lehrerin - gealtert schon -
ging vorzeitig in die Pension.
Die Eltern sprachen: "Sagt uns bloß,
was ist nur mit der "Software" los?
Sie fänden manches allerhand!
Bess´re Lehrer braucht´ das Land!"
 
Sie hatten dabei nicht bedacht,
dass sie  die "Viren" eingebracht.
 
 
Non scholae, sed vitae discimus *
 
Bereits im Alter von fünf Jahren
hab ich die Schule schon erfahren.
Ich lernte Rechnen, Lesen,  Schreiben,
doch dabei durfte es nicht bleiben.
Fortan, auf dem Gymnasium,
wurd mir bald klar: Ich war noch "dumm".
Gemildert wurd der Lernterror
durch das Verfahren "Trial -and -error".
Dann, in der Prima, ich´s verfluche,
erwarb ich "Error-Neuversuche".
Und wenn man schulisch lange läuft,
hat sich bald Wissen angehäuft.
Nun, beim Studieren wüsst´ ich gerne,
wofür ich ständig weiter lerne.
Das meiste, ohn´hin schnell vergessen,
war selten Grundstein von Interessen.
Und jetzt ich mich dazu bekenne:
Ich lernt´ das meiste für die "Penne".
"Non vitae" habe ich gepaukt,
"sed" schola hat mir Zeit geraubt.
Erst als ich stieg hinauf ins Leben,
erfuhr ich ungeahntes Streben,
hatt´ Schulweisheiten meist vergessen
und fand den Eckstein der Interessen.
Der Stein, den vormals ich nicht schätzte,
sah anders aus als dieser letzte.
Unweigerlich führt dies zum Schluss:
Recht spät "sed vitae discimus".
 
 
frei übersetzt:
"In der Schule lernst zu was?
Nie im Leben!"
( Ja, ich habe das große Latrinum!           
Natürlich habe ich viel durchgemacht.)
 
 
 
 
Man müsste noch mal Zwanzig sein,
voll Liebeskummer damals,
und irgendwo am Wiesenrain
vergessen die Zeit.
 
Und wenn das Herz dann ebenso
entscheiden könnt wie damals,
ich glaube dann entschied es sich
nochmals für dies Gedicht:
 
November
 
Verschlossen sind des Himmels Pforten,
der Sonne Strahl erhofft nichts mehr,
und Tränen tropfen allerorten
von Zweigen, Gräsern, satt und schwer.
 
Nebel schleichen durch die Gassen,
umweben der Laterne Licht,
das sich auf öden, nassen Straßen
in schauderhaften Streifen bricht.
 
Des Herbstes Fülle liegt darnieder,
nass erglänzt sein Moderkleid,
sanft ertönen Klagelieder,
entschwunden ist die Sommerzeit.
 
Entschwunden, windverweht im Staube,
Herzenträume, Liebesglück.
Mit fahlem, todgeweihtem Laube
bleibt nur Erinnerung zurück.
 
Verschlossen sind des Himmels Pforten.
Nebelschwaden ringsumher,
und  Tränen tropfen allerorten
von Zweigen, Gräsern, satt und schwer.
 
 
Tag der "Offenen Tür"
 
Im Altenheim war "Off´ne Tür".
Nebst Altem gab´s viel Junges hier.
 
Die Uroma - und das lässt hoffen -
trug´s Haar sogar deswegen offen.
 
Für ihren Mann, dass ich´s erwähne,
war´s mehr ein Tag der off´nen Zähne.
 
 
Torschlusspanik
 
Im Supermarkt, wo ich oft bin,
ist Emily Kassiererin.
 
Sie ist zwar Profi an der Kasse,
so um die Dreißig, schon mit Masse,
doch trotz der Männer vor dem Band
bislang sie keinen Partner fand.
 
Für sie wird´s Zeit, sich zu bemühn,
´nen Ehemann an Land zu ziehn.
 
Das weiß sie auch, man merkts ihr an,
ihr Anspruch schwindet schon am Mann.
 
Die Emily, so ich mal schätz´,
kennt ja das Ladenschlussgesetz.
 
 
Parallele Geraden
 
Ein Bauer, langen Pflügens satt,
lehnt sich erschöpft ans Treckerrad.
Manch hundert Furchen er gezogen,
die Pflugschar dennoch nicht verbogen!
Und jede Rille - wie man sieht -
wurd parallel, ganz nach Euklid.
So fragte ich - der Mann war platt -
ob ihm Euklid geholfen hat.
Da sprach er: "Nein! Ganz ungelogen,
ich hab den Pflug allein gezogen,
und mein Trecker, wie man sieht,
heißt "Fendt", und nicht etwa "Euklid".
 
Fazit:
Der Kopf, die Hand, Maschinenkraft
erfordern nicht gleich Wissenschaft.
 
 
Pinkeln im Stehen ?
 
Das Stehpinkeln, dies Phänomen,
war stets des Mannes Ur-Domain´.
Ins Klo und gegen Häuserwände,
die Routinen sprechen Bände.
 
Inzwischen Frauen schon mal wagen,
das Stehpinkeln zu hinterfragen.
Und der Mann, was ist mit dem?
Meint er, es sollt´ so weiter gehn?
Das Glied zwar schlaff, doch er hingegen
muss aufrecht stehn, des Phallus wegen.
Die Art des Pinkelns, findet Mann,
somit als männlich gelten kann.
Machtbewusstsein, Männlichkeit,
und wied´rum: Überlegenheit.
Statt wirklich mal zu überlegen,
will Mann nur seinen Vorteil pflegen,
den ihm hat die  Natur gegeben,
mobil und frei auch dann zu leben,
wenn ihn´s Bedürfnis übermannt.
Ja, so die Frau es nie gekannt!
 
Nun, welcher Mann sitzpinkelt schon,
gilt doch als Weich-Ei, wird zum Hohn
der stehpinkelnden Männergilde,
die Überheblichkeit im Schilde:
Das stärkere Geschlecht, der Mann!
Bereits beim Pinkeln fängt es an.
 
Derweil in jedem Badezimmer
die Fliesen leiden, noch viel schlimmer:
Die Heizungskörper rosten hin,
da sie getroffen vom Urin.
Doch medizinisch ist heut klar,
im Sitzen schont´s  die Blase gar.
 
Doch welcher Mann wird es schon wagen,
ab morgen einen Rock zu tragen.
Die Hose mit dem Tunnelzug,
sie wär fürs erste schon genug.
Ab morgen keine Reißverschlüsse
fortan mehr im Bereich der Nüsse?
Sie sollten sein nur noch an Seiten,
um rechtes Pinkeln einzuleiten.
 
Doch wär´s so richtig? Kommt´s nicht drauf an,
auf rechte Einsicht bei dem Mann?
Zwar, zuständig fürs Rationale,
läuft er sonst in die Abseitsfalle.
Wenn er dies merkt, ganz ungeniert,
erst dann ist er "efrauzipiert".             
 
Der Pitbull
 
Zum Tierheim kommt ein Mütterlein.
Sie ist verwitwet, stets allein.
Ach, wenn sie doch gen Lebensende
hier noch ´nen guten Partner fände!
So hat sie zwischen Acht und Zehn
sich alle Hunde angesehn.
Der Pitbull dort mit rosa Aug´licht,
nur der allein wär für sie tauglich,
würd er sie doch - es ist zum Wimmern -
recht sehr an ihren Mann erinnern.
 
Die Frau, zum Glück, lebt noch allein:
Den Hund gab´s nur auf Waffenschein.
 
Fazit:
 
Erinnerungen sprechen Bände.
Was du draus machst, bedenk das Ende!
 
 
Pour le merite
 
Der Baron von Nievenheim
galt früher schon als Edelschwein.
Heut holt er Popel aus der Nase
sogar im Beisein seiner Base.
Und auf der letzten Bärenjagd
hat er´s dem Adel vorgemacht.
Und auch die Gräfin, ach, wie peinlich,
bemerkte dieses augenscheinlich.
Selbst in der Kirche, welch´ Desaster,
beim Sanktus frönte er dem Laster.
Man sagt, zu Haus, mit Schwager Rolf,
spielt er des Samstags Popel-Golf !
 
Nun nennt man ihn, es ist zum Schrei´n,
inzwischen schon "Fürst Popelheim."
 
 
Rechthaberei
 
Es ist so warm! Die Sonne brennt,
sticht auf der Haut, sogar durchs Hemd.
 
So spricht die Freundin voller Wonne:
"s sind vierzig Grad jetzt in der Sonne!"
Und erneut muss ich betonen:
"In der Sonne sind´s Millionen!"
 
Doch, Vorsicht! Wegen Rechthab´rei
ging manch´ Beziehung schon entzwei.
 
Fazit:
 
Dem Partner wird erst richtig heiß,
wenn man alles besser weiß.
 
 
Relative Tat
 
Verkehrsmeldungen sind recht häufig,
gar manchem ist ihr Text geläufig,
denn oft sind es dieselben Stellen,
wohin die Staus sich meist gesellen.
 
Doch voll Brisanz schon immer waren
die Meldungen vom "Geisterfahren".
Jetzt wied´rum grad im Augenblick
erstirbt die Radiomusik:
Ein Sprecher warnt mit ernstem Ton
vor einem Falschfahrer bei Bonn.
Und dieser hört´s in seinem Wagen,
die Meldung schlägt ihm auf den Magen,
spricht vor sich hin,  voll Angst im Blut:
"Nur einer ?? Die sind vielleicht gut!!"
 
Erinnerung
 
Seit Einstein - dass ihr´s nochmals wisst ! -
die Richtung "relativ" nur ist.
 
Schlussfolgerung:
 
A. Einstein -  dieser Geist!
Ein wahrer! -
wär´ heut berühmter Geisterfahrer!
 
 
Restalkohol
 
Wer schwankt dort durch das Morgenlicht?
Ein Admiral ist's, siehst du's nicht?
So früh betrunken, welch ein Ding!
Ach nee, ‚s ist bloß ein Schmetterling!
 
Wahnsinn
 
Von meinen alten Freunden allen
sind zwei dem Wahnsinne verfallen.
Der erste liebte eine Frau,
bekam sie nicht, deshalb sein Hau.
Der zweite, weil er sie gekriegt,
wurd bald vom Wahnsinne besiegt.
Die Beiden
sind nicht
zu beneiden.
 
Güllirallala
 
Wie herrlich ist heu die Natur,
es weht ein laues Lüftchen.
Fasanen sieht man auf der Flur,
die meistens sich verflücht'gen.
 
Ein frischer Wind durchstreift mein Haar
und kräuselt sich im Rasen.
Er weht wie Gottes Atem gar,
erfrischet Herz und Nasen.
gestört abrupt wird die Idylle
durch Bauer Heinzens strenge Gülle.
Nun hat - `s ist wie ein leiser Fluch -
der Herrgott "üblen Mundgeruch".
Längst durch die Bibel ist verbürgt,
wie Gott oft durch den Menschen wirkt.
 
Konkurs
 
Es war einmal ein Ehepaar,
das lebte glücklich Jahr für Jahr.
Ein jeder gab sich stets versöhnlich,
und niemand nahm was strikt persönlich.
Doch schließlich dann im hohen Alter
erschien doch der Konkursverwalter.
Und an der Beiden Pleitenmasse
bedient sich jetzt die Krankenkasse.
So endete -  nach vielen Jahren -
ihr Glück als Insolvenzverfahren.
 
 
Ruhe absolut
 
Im Vergleich zum Stadtgetue
ist ein Friedhof voller Ruhe.
So nahm, vom Lärmgeschehen krank,
ich Platz auf einer Friedhofsbank.
 
Schon bald darauf ein kleiner Trecker
vom Gärtner ging mir auf den Wecker.
Dann zog ein Düsenriese Kreise
in tiefer Schleife, gar nicht leise!
Beim weit´ren Auf-der-Bank-Verharren
hört´ ich die Wasserpumpe knarren.
Dann eilten Kinder noch herbei,
beharkten sich mit Mordsgeschrei!
 
Schlussfolgerung:
 
Nur auf dem Friedhof Ruhe ist,
wenn du statt oben unten bist.
 
P.s.:  Ich bin dann noch herum gerannt:
Sah: Viele hatten´s schon erkannt!
 
 
Schwiegermutter in spe
 
Vor ein paar Tagen war ich wieder
bei meiner künft´gen "Mutter Schwieger".
Und wiederum tat es mir leid:
Sofort gab es den nächsten Streit.
Hat immer Recht, gibt niemals nach,
fängt an zu heulen, wenn ich lach´.
Auch findet sie mein Hemd abscheulich,
ob uni, grün, gestreift, ob bläulich.
So prüfe, wer sich ewig bindet,
ob sich nicht doch was Bess´res findet.
 
Fazit:
 
Gab der Geliebten noch ´nen Kuss
und machte dann behutsam Schluss.
 
Humaner Schluss:
 
Bei größ´rer Liebe, würd ich´s wagen,
die alte Dame zu ertragen.
Doch die Sache blieb´ verfänglich,
denn es wäre lebenslänglich.
 
Brutaler Schluss:
 
Bei größ´rer Liebe, würd ich´s wagen,
die alte Hexe zu erschlagen.
Doch die Sache wär verfänglich,
denn ich bekäme lebenslänglich.
 
 
Sein im Dasein
 
Ich hab´ einmal ein Pferd geseh´n,
das fand es einfach gut und schön
zu liegen und zu ruh´n.
 
Da wurde mir auf einmal klar,
wie wenig ruhig ich doch war,
musst´ immer etwas tun.
 
So kam mir plötzlich in den Sinn,
dass ich, wie´s Pferd, im Dasein bin,
zu sein ist wichtiger als tun.
 
Das gleiche klappt schlecht  mit  ´nem Huhn.
 
 
Spaziergang im Winterwind
 
Ich hör´ mir gerne
die Bäume an:
Sie rauschen genau,
was ich nicht sagen kann.
 
Aus dichtem Astwerks
wildem Getäue
entwindet sich Wind
in der Himmelsbläue.
Und kommt eine Bö
mit Sturmgedanken,
seh´ ich die Kronen
bedrohlich wanken.
 
Vertrocknetes Laub -
im Luftstrom gereckt -
fühlt sich zu
neuem Leben erweckt.
Aus einiger Zweige
zerrissenen Netzen
entringen sich
graue Wolkenfetzen.
 
Dort droben ist´s,
wo ständige Macht
im Hause der Kräfte
die Winde entfacht,
die manchmal hinab
bis zur Erde entweichen
und dort das Geäst
der Bäume durchstreichen.
 
Nun wehet die Woge
des Windes heran,
durchflutet die Hölzer
hinab bis zum Stamm,
umarmet diesen
mit samtiger Hülle,
verschenkt ihre Kraft,
ergibt sich in Stille,
bis neue Wellen
die Flanken berauschen
und taumelnd mit ihnen
Berührungen tauschen.
 
Und kommt eine Bö,
orkanhaft gesteigert,
wird manchem Baum
die Schonung verweigert.
Es biegt sich sein Astwerk
mit lautem Gestöhne,
es peitscht durch die Zweige
zum Stamm mit Gedröhne.
Mit Rauschen, Brausen,
Heulen und Raunen
ergibt sich der Wald
orkanhaften Launen.
 
Ich stehe daneben,
bin überwältigt,
wie Kräfte sich winden,
verhundertfältigt,
aus Ästen, Zweigen,
Stämmen und Stielen
und eilig entschwinden
zu neuen Zielen.
 
Ich hör´ mir gerne
die Bäume an.
Ich spür es:
Ihr Rauschen geht mich was an.
 
 
Steinreich
 
Wenn ich am Morgen früh aufsteh,
den unverbrauchten Himmel seh,
nenn frische Zeit ich neu mein eigen,
den Tag zu pflücken, ihm zu zeigen,
dass - still umarmend seine Stunden -
zu neuem Dasein ich gefunden.
 
Ein jeder Tag, der mir noch bleibt,
gibt sich als erster meiner Zeit.
 
Mach ihn zum Stein - so stets mein Wille -
im Mosaik der Lebensfülle.
 
Ich glaub, dass Kummer oft vermeidet,
wer "reich" und "steinreich" unterscheidet. 
 
 
Sturmerleben
 
Der kahlen Eiche bloße Stämme,
verzweigt in Ästen, dürrem Holz, -
 
- wie ihre Krone reckt sich stolz,
als wenn die Erde Abschied nähme -
 
sie lehnen sich dem Sturm entgegen,
der alle Rinde fest umfasst,
die zittert, raunt, muss sich schon fast
der Wucht der Böen ganz ergeben.
 
Und wie es singt in trocknen Zweigen,
wie schwankend sich die Hölzer neigen,
wie sie im Sturmwind neu erfahren
ein Zittern, Beben - wie vor Jahren!
 
Ihr kahlen, nackten Eichenstäbe,
das Leben hat euch voll erfasst,
wenn ihr den Wind durchstreichen lasst,
oh, wenn es niemals Ruhe gäbe!
 
Wie jeder Windstoß hart und zart,
dich, Baum, umfasst auf eigne Art.
Wenn sich die kräftgen Zweige biegen,
soll doch der Stamm dem Sturm erliegen.
 
Und wenn von Westen naht der Wind,
eil ich zu jenem Baum.
Ich träume, unbefangen wie ein Kind,
jedsmal denselben Traum:
 
Wie die Musik aus Ästen klingt,
wie jeder Zweig das Lied mir singt!
Wie sich die Windbö`n, feucht im Regen,
vom Astwerk hin zu mir bewegen.
So sitz ich stumm und lausche sacht
dem Lied der Eiche, bis es Nacht.
 
Wie dieser Baum bist Du für mich,
hältst mir der Stürme Klänge fest,
und nichts mich so erschaudern lässt,
als wenn der Wind einst davon wich.
 
 
Unser tägliches Brot......
 
Der Mensch wird  trinken und zu essen
im  Normalfall  nie vergessen.
Denn wie gewohnt an allen Tagen
klopft regelmäßig an sein Magen.
Was Gott ihm Gutes tat indessen,
hat längerfristig er vergessen.
Mag sein, als Grund man sagen kann,
Gott klopft zu leise bei ihm an.
 
Valentinstag
 
Am Tag des heil´gen Valentin
zog es gar manchen Menschen hin
-  so viele Typen sah ich nie -
zu uns´rer Dorf-Konfiserie.
Die Gärtnerei im Nebenhaus
kam nicht mal mit den Blumen aus.
Wie menschlich doch, etwas zu schenken,
einmal im Jahr an dich zu denken,
weil  - hatt´ ich sonst  (es tut mir leid)
für Altruismus kaum noch Zeit.
 
Mit Mozartkugeln für viel Geld
wird Seelensperrgut hingestellt,
und dieses wird am nächsten Morgen
die eig´ne Selbstgerechtigkeit entsorgen.
Mit "Bärentatzen", "Nonnenfürzen" *
lässt jede  Beichte sich verkürzen.
Mit Rosen, Tulpen, bunten Nelken -
so wird beklagt  der Liebe Welken.
Für das Versäumte, manchmal viel,
wird überreicht ein Herz mit Stiel.
 
Ach, Valentin, ich herzlich grüße - -
Dank für den "Abgastest" der Psyche!
 
Schlussfolgerung:
 
Die Liebe hat stets größ´re Kraft,
wo sie kein Alibi sich schafft.
 
*Gebäck
 
 
Vergebens
 
Die Pflanze, auch im schönsten Licht,
wächst besser, wenn man mit ihr spricht.
Ich hab´s versucht beim Benjamini,
beim Rosenkohl und den Zucchini.
Stets wenn das Grün sein Ohr mir lieh,
die Pflanze fabelhaft gedieh.
Doch ein Gewächs, trotz meines Strebens,
nicht reagiert´, es war vergebens!
Klar! Ihres Namens angesichts,
die "Taubnessel", sie hört ja nichts!
 
 
Der Vorhang
 
Nicht immer, wenn der Vorhang fällt,
hast du ein gutes Stück gesehn.
Da du´s bezahlt mit deinem Geld,
erwogst du nicht, vorher zu gehn.
 
Nicht immer, wenn der Vorhang fällt,
das Stück dich hat zum Teil geläutert.
Du hast´s bezahlt mit deinem Geld,
nur hat dein Hintern sich verbreitert.
 
Nicht immer, wenn der Vorhang fällt,
verstandest du die schweren Rollen.
Hast nur gesessen für dein Geld,
du hättest lautstark pfeifen sollen!
 
Nicht immer, wenn der Vorhang fällt,
ist der Skandal sogleich beendet.
Hast ihn bezahlt mit deinem Geld
und absichtslos es nur verschwendet.
 
 
Neue Zähne
 
Wenn hat der Löwe erste Zähne,
so nennt man ihn den "Löwenzahn".
Die zweiten hinter seiner Mähne
zu "Pusteblumen" werden dann.
 
Schnell steht die alte Pusteblume
ganz zahnlos auf der Ackerkrume.
Die kahlen Stängel, so ich wähne,
erwarten wohl die dritten Zähne.
 
 
 
Vergesslichkeit
 
Ein Mann kam einst zum Psychiater
und sprach von seinem Seelenkater:
"Oh, mein Gedächtnis"  - so die Klage -
"ist ziemlich schlecht! Wenn ich was sage,
so hab ich dieses bald vergessen.
Ich möchte, dass Sie dies mal messen."
 
Der Arzt kam gleich zur ersten Frage
und wollte wissen, ob die Plage
schon länger daure oder neu,
das schließlich sei nicht einerlei.
 
So sprach er mit gezieltem Ton:
"Wie lange haben Sie das schon?"
Und der Patient - wie wenn er litte -
verwundert fragte: "Was denn, bitte?"
 
 
Vertrauen
 
Bei Bauer Hein steigt heut ne Feier
mit rotem Sekt, vom Stör die Eier
gibt`s auch dazu - nicht ohne Grund:
Das Jahr war nämlich fett und rund.
Noch nie hat Hein in all den Jahren
von Korn solch Mengen eingefahren.
Vorbei das Klagen und das Borgen,
die Zukunft gibt sich ohne Sorgen.
Hein denkt schon an den Lebensabend,
für ihn erquickend und erlabend!
Spät in der Nacht tritt er ins Haus,
da setzt sein Herz ganz plötzlich aus.
Ein letztes Röcheln in der Kehle,
so fordert Gott zurück Heins Seele.
 
Fazit:
 
Vertrauen in Ware und Konsum?
Recht wenig bleibt davon postum.
 
 
Volltanken
 
An jedem Sonntag kannst du sehn:
Kaum einer lässt sein Auto stehn.
Da wird, bis dass der Auspuff raucht,
das Leben mit dem Sprit ver-braucht.
 
Der eine fährt, was ja nicht schlimm,
mal eben schnell zur Oma hin.
Der and´re - keiner von den Netten -
holt sich mit Motorkraft Buletten
(fährt nochmals los für Zigaretten.)
Der dritte, ungeübt im Fasten,
fährt einen Brief zum nächsten Kasten.
 
Die meisten jedoch, nicht die Jecken,
die fahren lieber weite Strecken.
Und ist der Tank fast wieder leer,
kommt schon Benzin, das neue her.
 
Doch unjüngst, gar nicht übertrieben,
ist eine Ladung ausgeblieben.
Als Rohöl nun - welch eine Menge !! -
verseucht sie eine Meeresenge.
Ein Riesentanker brach entzwei,
die Vogelwelt versank im Brei.
Die Fische lebten nicht mehr lang,
erstickten unter schwarzem Tang.
 
Auch wenn ich deshalb noch so fluch´,
Benzin gibt´s morgen noch genug.
So saust der Mensch durch weit´re Scherben
hinein ins nächste Fahrverderben.
Er flitzt sogar mit seinem Wagen
zur Umwelt-Demo nach Waldhagen!
Und dort bestellt er auf die Schnelle
Entenbrust, Fischfrikadelle.
 
Fazit:
 
Die Tankersache Ernst du nimmst
erst, wenn du selbst im Rohöl schwimmst.
 
 
Vorsätze
 
War ich im alten Jahr  nicht gut,
fass´ ich zu Neujahr frischen Mut.
Das tu ich so  seit vielen Jahren
und bin damit nicht schlecht gefahren.
 
So lebe ich - als Mensch von gestern -
stets zwischen Neujahr und Silvester(n).
 
 
Wanderer
 
Wanderer, sei gescheit,
geh  noch weit!
Heut!
 
Wie das Wasser, das du verdrängst,
dich trägt,
tauchst du ins Meer der Zeit
un- entwegt.
Dein Weg darin - ein Tropfen daraus -
du spürst es   längst,
er führt dich nach Haus.
 
Ein Tröpfchen Zeit im großen Meer-
nicht mehr!
 
Das Meer, ein Tröpfchen von Zeit,
nicht schwer,
 
im Ozean der Ewigkeit.
 
Kommt dir dies in den Sinn,
bist du mittendrin.
 
Heut
geh noch weit!
Wanderer, sei gescheit!
 
 
Wetter zum Weinen
 
Bedenk doch, dass der Rebensaft
es niemals ohne Regen schafft.
Wenn Sonnenstrahlen ständig
schienen,
wärn alle Trauben wie
Rosinen.
 
Bedenk, dass zwar der Rebensaft
es ohne Sonne auch nicht schafft,
denn regnet´ es ohn´
Unterlass,
wär Wasser mehr als Wein im
Fass.
 
Hat Bacchus hier sein Maß
gefunden,
schenkt uns der Wein meist
Sonnenstunden.
 
Nur ein Säufer - ohne Spaß -
meint damit ein Litermaß.
 
 
Ein Schaf
 
mit dem keines spielte
und sprach
 
verließ mit klagender Beschwerde
seine Herde
 
Es fand eine neue
die schwarz war und kraus
 
Als Verlorener Sohn war es
wieder zu Haus
 
Ist dies Gedicht - mal pessimistisch -
etwa rassistisch?
 
 
Der 1. Mai
 
Ich hörte den Kuckuck heute früh!
So kläglich wie eben klang er noch nie!
 
Benutzte nur einen einzigen Ton,
 
wirklich kein Scherz,
nicht die kleine Terz.
 
Was macht das schon?
Den Vogel ich dennoch lob´.
 
Sein neuer Ein-Euro-Job!
 
Die Kuckuckin ich nicht mehr seh -
 
verteilt ihre Eier feste
fortan in fremdem Neste -
 
jedoch als Ich- AG.
 
 
Umstellung der Sommerzeit
 
Diese Nacht um drei Uhr früh,
wie Heinzelmännchen kamen sie,
die Kobolde mit wachen Sinnen,
um eine Stunde zu gewinnen.
 
Es wurd der Zeiger von der Drei
zurück gefahren bis zur Zwei.
 
So geht die Sonne früher auf,
beendet früher auch den Lauf.
Ein jeder Mensch bemerkt nun schnell:
Am Morgen ist es länger hell.
 
In Wirklichkeit hat in der Nacht
der Mensch sich selbst was ausgedacht.
"Schenkt" eine Stunde ohne Sinn!
Wie schön, dass ich kein Kobold bin!
 
 
 
Wie ein Elefant.....
 
Ein Elefant zog durch die Stadt.
Ob er was einzukaufen hat?
Er ging zu Aldi, Plus und Schlecker,
fand die Artikel einfach lecker.
 
Wohl unentsprechend seinem Wesen
war er im Schuhgeschäft gewesen.
Und was  sogleich er hat gerochen:
Bei McDonalds gab´s Fisch-Wochen!
 
Niemand kam, sich zu beschweren,
keiner wollt´das Tier belehren.
 
Zur Wende es nur dadurch kam,
dass er im Fenster sah Porz´llan.
Mit voller Kraft, sehr ungestüm,
stellt´ er sich vor den Eingang hin.
 
Es machte "Ruck!!" Natürlich lauter,
viel Glas fiel um, zur Decke schaut´ er
und trampelt´ mit gar stämm´gen Beinen
durchs Porzellan - es war zum Weinen!
 
Ein Kunde fragt´ ihn, los von Rat,
warum er sowas denn wohl tat.
 
Der Elefant sprach, stimmlich zart:
"Schuld dran hat die Redensart."
 
 
 
Wie geht´s ?
 
Mit Kopfdruck, hüstelnd los ich geh,
mit Sodbrennen und Schmerz im Zeh.
Im Gedärm die Winde hecken
sich aus ein Spiel für lange Strecken.
Schon sorgt Methan auf halbem Wege
für Druckanstieg im Darmgehege.
Dort zwickt´s, hier zwackt´s und seitlich sticht´s.
Vermehrtes Rülpsen führt zu nichts.
So kommt´s mir wied´rum in den Sinn,
dass sehr gesund ich wohl nicht bin.
 
Nach einer halben Stunde schon
ertönt es wie Posaunenton:
Hat´s erste Gas nach engen Runden
bereits den Darmausgang gefunden.
Dann auch die nächsten Bio-Schwaden
entsagen dem Ariadnefaden.
Nach einer Stunde strammen Gehens
verschwindet Kopfdruck auch zusehends,
und auch das Brennen in dem Schlunde
sagt "Adios" zur nächsten Stunde.
Die Zeh´n, im Blutstrom  warm geworden,
erstreben schon  den Wanderorden.
Statt hüstelnd Kopfschmerz zu ertragen,
kann ich nun singen, Verse sagen.
So spricht es sich in mir schnell rund:
Wahrscheinlich bin ich doch gesund.
 
Ab heut bei mir geschrieben steht:
"Es geht stets besser, wenn man geht!"
 
 
 
Zugvogel
 
Flieg, Vogel,  flieg!
In Afrika ist Krieg.
Bereits nach ein paar Wochen,
nachdem du aufgebrochen,
kannst du dich wieder wärmen.
Ich fang an zu schwärmen.
 
Flieg, Vogel, flieg!
In Afrika ist Krieg.
Du musst nicht mehr verharren
bis schweigen dort die Knarren,
gehörst zu Weltenbürgern,
bis bald schon unter Würgern.
 
Flieg, Vogel, flieg!
In Afrika ist Krieg.
Dort lärmen die Musketen,
auch rollen dort Moneten.
Die Reiher in dem Teich
verspeisen Sippenfleisch.
 
Flieg, Vogel,  flieg!
In Afrika ist Krieg.
Kommst du im Frühjahr wieder,
singst du Soldatenlieder.
Doch jetzt trag lieb hinfort
den Frieden hier am Ort!
Lass ihn mit lautem Schallen
am Äquator fallen!
 
Flieg, Vogel, flieg!
In Afrika ist Krieg.
 
 
     
(2000) Heute ist alles anders, oder?
 
Schule in der Zwickmühle
 
Die "Mühle" ist im ganzen Land
als Spiel zu Zweit schon lang bekannt.
Die "Zwickmühle" als Sonderfall
wurd manchem Spieler oft zur Qual.
Man schiebt sein Steinchen hin und her.
Der Gegner hat bald keines mehr.
Wenn auch zum Schluss er darf noch springen,
wird ihm das Siegen kaum gelingen.
 
In solcher Zwickmühle seit Jahren
ist nun die Schule festgefahren.
Die Klassen wurden durchweg größer,
das Personal rundum nervöser.
Die Ref´rendare, aufgeschreckt,
agieren jetzt "bedarfsgedeckt".
Das Thema "Lehrerarbeitszeit" 
ist kontrovers und führt zu Streit.
Will´s Kind die Höh´re Schule sehen,
soll´s nur nach Elternwille gehen.
Die Pädagogen rieten an:
Man soll nur wollen, was man kann!
Vereinzelt Grundschulen es boten:
verzichteten komplett auf Noten!
 
In Leistung international
ist Deutschland nicht die erste Wahl.
Im Bereich der Wissenschaft
bei uns noch manche Lücke klafft.
 
"Ihr Schüler, jetzt mal mehr auf Trapp!
In Bayern schloss man besser ab!"
Oh, die Gesamtschuloberstufe!
"Welch Rückstand!" hörte man die Rufe,
die normalen Gymnasiasten
hätten doch mehr auf dem Kasten.
Frau Behler destilliert´ viel Worte
hinzu aus Kultus´ - Schulretorte.
Wenn die Leistung nicht mehr stimmt,
ist "Oben ohne" eben  Zimt.
 
Wie wär es denn, mit Internet
zu machen Fehlleistungen wett?
Statt weiter nur herum zu werkeln,
gilt´s nun, die Kernfächer zu stärken.
Deutsch, Mathe, Englisch - wenn´s auch quält - 
von keinem mehr wird abgewählt.
 
Die Schule sucht den neuen Stil
mit klarem Schwerpunkte-Profil.
Dem  Unterricht, der nicht gegeben,
steht Qualität jedoch  entgegen.
So mussten dann Millionen her 
für eine "Lehrer-Feuerwehr".
Nun, jene muss man wirklich loben,
bekämpft den Brand jedoch von oben.
 
Ja, "Mühle" ist ein Spiel voll Charme.
Wer "zwickt", hat stets den läng´ren Arm.
 
Am Ende werden viele springen,
doch wird das Siegen schwer gelingen.
 
 
 
Ein schöner Tag
 
Er trank halt
jeden Abend manch Alt.
Gesund halt!
 
Nun heißt es "Halt!"
Ohne "gesund"!
Der Grund?
 
Er wird halt alt,
bald.
Geschnallt?
 
Nicht?
Auch du wirst halt alt!
 
Doch für ein Alt
ist niemand zu alt.
 
Hat Biermann hier sein Maß gefunden,
schenkt uns ein Alt nur Sonnenstunden.
 
Nur ein Säufer - ohne Spaß -
meint damit ein Litermaß.
 
Denk an Leber und Milz -
auch bei Diebels Pils!
 
 
Du Esel!
 
Der Name "Esel" ist nicht schlecht.
Er ist auch einer, wirklich, echt!
Beim Kamel ist´s ähnlich:
Auch es ist eines, nämlich.
Die Tiere selbst hingegen
sind uns oft überlegen.
 
Wenn jemand sagt "Du blöde Kuh!"
dann meint er dies persönlich.
Die Kuh am Niederrhein jedoch
ist stets sich selbst nur ähnlich.
 
Evolution
 
Den Hasen hält in seinem Lauf
nicht eine Ackerfurche auf,
und mag er dabei noch so wetzen,
wird keine Pfote sich verletzen.
 
Wenn ich nur gehe, blick´ herum,
schlägt mir der rechte Fuß gleich um.
Und dies ist die, wer kennt´s nicht schon,
nach Darwin, Charles, "Evolution".
 
Doch schreiben ein Gedicht,
das kann der Hase nicht!
 
 
Frühlingserwachen
 
Die Lerche steigt schon hinauf in das Blau.
Der Frühling beginnt, ich spür es genau.
Die Sonne, von mächtigen Kräften geführt,
hat gerade den Himmelsäquator berührt.
So macht sie heute mit Sphärengesang
den Tag wie die Nacht kurzfristig gleich lang.
 
Gar manchen es nach draußen lockt,
wenn sie mit Bravour die Ekliptik durchjoggt.
Und morgen erst Vollmond,
ja, schau doch mal hin,
denn er führt Ostern zum späten Termin.
 
Ein Has auf dem Felde mit langen Ohren
hat sich die Frau seines Lebens erkoren.
In der Mulde hockend, mit scheuem Getue,
genießt er die Schonzeit, 
kommt endlich zur Ruhe.
Wie schwer wär es doch, im Flintengetöse
Familien zu gründen, macht nur nervöse.
 
Die Lerche steiget noch höher empor,
ich seh sie nicht mehr, doch hab ich im Ohr
ein Lied, wie von fernen Sternen gesendet.
Plötzlich find ich mich geblendet
und setze mir nun bei weiterem Lauf
die dunkle Sonnenbrille auf.
Ich meine nämlich, dass dies tät nützen,
vor zu viel Freude mich zu schützen.
 
(Denk jetzt schon an den Swimmingpool
mit schönen Damen! Mensch, bleibe cool!)
 
 
Fusion
 
Seit langem wurd das Schloss bei Nacht
von einem Schlossgespenst bewacht.
Der Burggraf  konnte so seit Jahren
sich eine Schließgesellschaft sparen.
 
Doch plötzlich war es damit aus,
der gute Geist nicht mehr im Haus.
Mit ihm hat plötzlich, ungeniert,
"Kellergeister" fusioniert.
 
Die Firma bürgt mit Aktiensamen
für die feindlichen Übernahmen.
 
Gar mancher Geist, gealtert schon,
ging vorzeitig in die Pension.
Auch Junggespenster, zwar nicht alle,
erreichten bald die Abseitsfalle,
verloren in der Aktienhatz
über Nacht den Arbeitsplatz.
 
Nun geistert es - wen kümmert das? -
vermehrt  "in vino veritas".
 
 
 
Festlied der Oedter Grundschulkinder
 
Wir sind die Kinder der Schule Oedt
und stehen nun bereit,
zu feiern heute, so groß es geht,
mit Lust und voller Freud.
Vermeiden jegliche Traurigkeit,
entsagen Streit und Zank,
denn so hält unsere Fröhlichkeit
noch viele Stunden lang.
 
Und jeden, der heute kommen mag,
beziehen wir mit ein,
denn heute ist unser Freudentag
für alle, groß und klein.
Vermeidet jegliche Traurigkeit,
kommt näher, seid nicht bang!
Denn so hält unsere Heiterkeit
noch manche Stunde an.
 
Wir sind die Kinder der Schule Oedt
und feiern unser Fest,
doch mit euch Freunden es besser geht,
sich schöner feiern lässt.
Vermeidet jegliche Traurigkeit,
stimmt ein in den Gesang!
Ach, hielte unsere Fröhlichkeit
noch viele Tage an!
Ach bliebe diese helle Zeit
ein ganzes Leben lang! 
 
 
Frostern
 
Mit weißem Puder leicht bestreut
sind Löwenzahn und Dächer.
Der Frühling übt Enthaltsamkeit
und Winter spielt den Rächer.
 
Sieh, dem versteckten Osterlamm
weh´n Graupeln um die Ohren!
Die Schokoladenhasen (Mann!)
im Strauch sind längst erfroren.
 
Die bunten Eier überm Schnee
erstrahl´n in grellen Farben.
Der Osterhase und das Reh
wie am Polarkreis darben.
 
Und beim Spaziergang - wie ein Muss -
erschallt der frohe Ostergruß.
 
Nicht "Frohe Ostern" spricht man hin,
es heißt nun "Frostern", das ist "in",
 
verwirrt hat nämlich alle Welt,
dass Ostern fest zum Winter hält,
obwohl - das Wissen doch alltäglich,
dass dieses Fest stets recht beweglich.
Ge(äh)nforschung
 
Will ich des Sonntags Ruhe schöpfen,
schon brummt es über uns´ ren Köpfen,
nur weil ein Flieger aus Grefrath
ganz vorn den Scheiß-Propeller hat!
 
"Wie gut," denk ich beim Weiterliegen,
"dass noch die Lerche singt beim Fliegen!"
Doch dies kann schon in ein paar Ländern
der Mensch durch Genforschung verändern.
 
So kommt der Fortschritt - unvermummt -
wie eine Lerche, die laut brummt!
 
P.s.: Akut muss ich es noch erwähnen:
Auch mein Gähnen kommt von Genen.
 
 
Denk mal! Beethoven!
 
Vom Beethoven-Denkmal in Bonn
hat man gar wenig davon.
Wer da war, wird es schon wissen:
Die Tauben haben´s beschissen!
 
Beethoven konnte im Alter, ich glaub´,
fast gar nichts mehr hören, man nennt das "taub".
Die Vögel tun jetzt nur den Satz verwalten:
"Wir Tauben müssen zusammenhalten!"
 
So bleiben des Künstlers Werke
auch weiterhin  seine Stärke.
 
Fazit:
 
Trotz Fliegendreck und Taubenmist
bleibt ein Künstler, was er ist!
 
 
Gehobener Dienst
 
Der Strommast dort am Wegesrand -
an ihn sind Drähte fest gespannt.
Bereits in meinen Kindertagen
hat er den Strom durchs Land getragen.
Mit "Volt", "Ampere" hat er den "Saft"
vom fernen Trafo weggeschafft.
 
Schon viele Jahre, ganz bestimmt,
hat er dem Menschen treu gedient.
Bei jedem Wetter, warmen, kalten,
hat er "nur" Drähte festgehalten.
Und niemand hätt ´s gefunden nett,
wenn er sich mehr "verwirklicht" hätt´.
Sein Dienst ist einfach, wahr doch ist,
dass er dafür geschaffen ist.
 
Wär ich der Mast, ich würde krank,
kann höher dienen, Gott sei Dank!
Doch dazu brauch ich ständig mehr
aus zwei Löchern: "Volt", "Ampere".
 
Deswegen es mich nie beglückt,
wenn irgendwo ein Mast geknickt.
 
Fazit:
 
Dein Dienst, wenn er auch höher steht,
klappt nur, wenn´s "unten" auch noch geht.
 
 
 
Getroffen !
 
Heute früh, in unserem Städtchen,
traf ich den Kurt im Blumenlädchen.
 
Das war recht nett, ich konnt ihm lauschen
und Neuigkeiten mit ihm tauschen.
 
 
Gestern früh, in unserem Wald,
hat´s einmal fürchterlich geknallt.
 
Ich hört´s vom Krankenpfleger:
Dort trafen sich zwei Jäger.
 
P.s.:
 
Vor einem Treffen - evident -
ist´s besser, wenn man sich erkennt.
 
 
Ich glaube
 
Was ich nicht will, dass du mir tust,
das lass auch sein, weh´, du versuchst´s!
Sonst tu ich dir, was du nicht willst,
was meinst du, wie du dich dann fühlst?!
Wenn ich von dir geschlagen bin,
halt ich´s Gesicht nicht nochmal hin!
 
Ich glaube, dass ein Christ
nicht schreibet solchen Mist.
 
 
 
Ein guter Rat
 
Der Parkwächter von Osterende
macht seinen Rundgang durchs Gelände.
Da sieht er plötzlich, wie am Weiher
ein Mann sich auszieht, wohl kein scheuer!
Da dieser Wächter dann und wann
auch als Beamter schnell sein kann,
rennt er,  sogar in alten Tagen,
hin zu dem Mann mit seinen Fragen.
 
Der Mann - beendend jedes Streben -
er wolle sich sein Leben nehmen
und spränge gleich in dies Gewässer,
wahrscheinlich ging´s ihm droben besser.
 
Der Parkwächter, er sprach: "Mitnichten!
Ich bin Beamter und hab Pflichten!
Dazu gehört vor allen Dingen,
dir in die Soße nachzuspringen.
Dabei versau  ich, was wohl klar,
mir meine Kleidung und mein Haar.
Und was ich auch nicht find zum Lachen:
Ich muss ´ne lange Meldung machen!"
 
Um zu verhindern jene Tat,
gab er dem Mann nun diesen Rat:
"Bist - so wie heute - du schlecht drauf,
so geh nach Haus und häng dich auf!"
 
 
Huhn oder Ei?
 
Ein Demonstrant, ein junger frischer,
warf einst ein Ei auf Joschka Fischer,
und dieser fiel beim Dauerlauf
über ein Huhn, den Abend drauf.
 
Das Fakt ich nun beim Namen nenne:
Zuerst kam´s Ei und dann die Henne!
 
 
Halbfastenmarkt
 
Nach Karneval, wie jedes Jahr,
auch diesmal ich enthaltsam war,
verzichtete auf manche Schnitten,
auch wenn die Nerven drunter litten.
Dem Sahnequark ganz ausgewichen -
hab ihn nicht mehr aufs Brot gestrichen.
 
Heut - ausnahmsweise - wird gequa(r)kt:
In Kempen ist Halbfastenmarkt!
 
 
 
Ein Gedicht um die Häs(s)lichkeit
 
Ursprünglich hatt´ der Hase
ganz früher kurze Ohren.
Auch eine dick´re Nase
hatt´ Gott sich auserkoren.
Doch schon der erste Mümmelmann
hub gleich mit wehen Klagen an:
"Ich hätt´ gern läng´ re Ohren
und eine schmal´re Nase,
fühl´ mich sonst missgeboren!"
so sprach zu Gott der Hase.
 
Gott meinte: "Frischen Mut!
Du bleibst so und bist gut!"
Der Hase widersprach
und Gott gab schließlich nach.
 
Ein Streit wurd´ so vermieden,
die Sache war gelungen,
denn nach ´nem Unentschieden
gibt´s meist Verlängerungen.
 
 
Die neue Ehe
 
Die Elster ist weithin im Land
als Räuber und als Dieb bekannt,
bevorzugt das, was glänzt und blinkt,
und will dies stehlen - unbedingt!
So erwarb sie - ´s ist ´n Ding
unjüngst meinen Ehering.
 
Wo ich gehe, wo ich stehe,
denk ich an die Diebeshandlung.
Doch wenn ich manches anders sehe,
beginnt in mir gleich eine Wandlung.
Lasst doch die Elstern weiter klauen.
Ich fang an, mich umzuschauen,
seh: es  gibt  noch and´ re Frauen.
 
Nun glaubt nur nicht, dass was passiert,
bin mit der Elster ja  liiert!
 
 
Herbstnähe
 
In lichtgetränkten Farben baden
unsichtbare Nebelschwaden,
weben noch am Morgentraum
die Schlieren zart zum Himmelssaum.
 
Allerorts entringt sich Wärme,
taucht hinauf in laue Flut
hin zu mildem Strahlenlärme,
beruhigt ist des Himmels Glut.
 
 
Herbst, du bist´s, der raue, milde,
weist wiedrum uns erneut drauf hin,
dass ich - wie du - vergänglich bin,
führst heimlich Winter mit im Schilde.
 
Bunt tönen in mir deine Lieder.
Herbst, fahr nun deinen goldnen Schein
als neue Ernte für mich ein.
 
Derselbe Sommer kommt nicht wieder.
 
 
 
"Home-Bremsing"
 
Der Düsenjet aus Surinam
kam heute mit Verspätung an,
obwohl er doch - man nennt das "sausend"-
die Luft durchquert mit Tempo 1000.
 
Die Autobahn - mich hat´s  gewundert -
war ziemlich dicht - ich fuhr kaum  100 .
 
Dann kamen Tempo-70-Schilder.
Die Motordrehzahl wurde milder.
 
Bei 50 nun im Ortsbereich
wurd´s rechte Knie mir langsam weich.
 
Mit 30 jetzt, das Wohngebiet
zum nächsten klein´ren Gang mir riet.
 
Die Spielstraße mit Tempo  7
verführt´ mich fast zum Wagenschieben.
 
Fazit:
 
Aus größ´rer Ferne - so sieht´s aus -
kommst abgebremst du meist nach Haus.
 
 
 
Im Stau 
 
In Deutschland ist die Zahl der Christen
weit höher als geführt in Listen.
Im Radio kam es genau:
am Moerser Kreuz ein großer Stau!
Tagtäglich hör ichs jedesmal:
So´n Stau, das ist kein Einzelfall.
Es werden massenhaft seit Jahren
Kreuzwege jener Art befahren.
So wird die Kirche - mit Entzücken -
das Autofahren wohl beglücken.
Es stimmt: Man sollte, auch beim Lenken,
schon mal an Jesus Christus denken.
 
 
in memoriam:  Hundertwasser
 
Die Spirale ist im Leben
ein Mandala für wahres Streben.
Das Lebensrad, du kannst´s vergessen,
lässt sich nicht mit dem Zollstock messen.
Schon Archimedes, dieser Weise,
ging kaum gerad ´aus, ging meist im Kreise.
 
Der friedensreiche Hundertwasser
war stets ein "Gerade-Linien-Hasser".
Sogar im rechtwinkligsten Saale
entwarf er seine Kunst-Spirale.
So ließ er sich in Musentempeln
kaum seh´n, hatt´Angst, sich abzustempeln.
 
Auf Maler los nun ging die Hatz,
und er errang den vierten Platz.
Für manchen war´s ein Aug´im Dorne,
dass nah bei Rembrandt er nun vorne,
dass die Berühmtheit von Miró
erwarb er sich nun ebenso.
Kaum jemand glaubte, niemals, nie,
würd´ er bekannt wie einst Dalí.
Manche meinten, dass Paul Klee
ein Zimmer hätt´ in seiner Näh´.
 
Was er uns sagen wollte, schwer,
war dennoch ziemlich populär:
Gerades lässt sich nicht erheben
zum Symbol für Tod und Leben.
Die Malerei wurd´ so "naiv",
bisweilen auch "vegetativ".
 
Es kamen auch noch mehr Beschwerden:
Die Arch´tektur müsst´ anders werden.
Gar manche uns´rer heil´gen Hallen
erzeug´ im Menschen Seelenqualen,
die sich in uns´ ren Edelzimmern
fortan von Jahr zu Jahr verschlimmern.
Ja, im modernen Treppenhaus
ging manchem schon "die Lampe aus".
Und wenn du wie im Schlosse thronst,
du bist so frei nur, wie du wohnst.
Ein Künstler wird in seinem Garten
den Maulwurf stets als Freund erwarten.
Wozu denn nur die graden Hecken,
die Einfallslosigkeit verstecken ?
Auch Gerste, Mais sowie den Dinkel
legt man nicht an im rechten Winkel.
 
Beim Gehen heut´, wann sonst könnt´s sein,
da fielen mir die Verse ein.
Das Wandern, ich so sagen kann,
geschah fast "in memoriam",
denn meine Fußspur, das ist klar,
auf keinen Fall gradlinig war.
 
Inventur
 
Mit einem Freund, der Kummer hat,
befuhr ich letztens unsre Stadt.
Ich zeigte ihm die alten Bauten
und Denkmäler, auch die versauten.
 
Das Tiefbauamt, man muss es loben,
hat manchen Graben ausgehoben.
Nach Baustellen - ich möcht jetzt fluchen -
braucht man bei uns nicht lang zu suchen.
 
Unjüngst, bei unsrem Dauerlauf,
viel Gleiches uns schon wieder auf:
Erdlöcher, Gräben, Sperrbezirke !
Warum im Städtchen man so wirke?
 
Ich sprach: "Bis morgen dauert´s nur,
das Tiefbauamt macht Inventur.
Bemerkt wurd´: Werkzeug fehlt zuhauf.
So reißt man nun die Erde auf.
Es wurde - grabend viele Stunden -
gar mancher Hammer noch gefunden!
Auch um den Fehlbestand von Zangen
muss man fortan nicht länger bangen.
 
Ratschlag:
 
Beim nächsten Baustellen-Gejammer
sprich´s aus: "Das ist ein dicker Hammer!"
 
 
Karfreitag
 
Die Sonne schwärzt ihr graues Licht.
Am Kreuz erstirbt ein matter Glanz.
Wo Liebe mit der Hoffnung bricht,
steh ich verlassen gar und ganz.
 
Den Lebensmut, die Glaubenskraft,
rein alles rafft der Tag dahin.
Der Tod bedient sich seiner Kraft
und zerrt an meinem Lebenssinn.
 
Noch einen Tag der Grabesruhe
lass still ich unterm Kreuz verstreichen.
Was klagend ich bis morgen tue,
wird Ostern neuem Leben weichen.
 
 
 
Man benötigt oft nur eine kleine Kugel,
um wahre Größe zu zeigen........
 
Keglers Abschied
 
Frau Wirtin hat ne Kegelbahn
und gibt mit vielen Jahren an,
wo Lehrer sie benutzten.
Nun macht sie einfach plötzlich dicht.
Die Lehrer, ja sie fassen´s nicht:
Da stehn sie, die Verdutzten.
 
Macht Herby das nicht meisterhaft?
Hat Blumen sogleich angeschafft,
will diese überreichen.
Die Andern stehen stumm dabei,
- Pauls Altglas ist schon  wieder frei -
sehn  aus wie "Kegelleichen".
 
Die meisten noch auf Fluchtdistanz,
verstört vom Haarschopf bis zum Schwanz,
erwarten nun das Ende.
Da nimmt der Herby wild entschlossen,
als Fred ein neues Pils genossen,
die Blumen in die Hände.
 
Man sieht den Boss zur Wirtin schreiten,
wobei sich Theos Augen weiten,
bedankend bei Frau Renkes.
Bald sind die Blumen überreicht.
Besagter Vorgang war nicht leicht
für alle wohl, ich denk es.
 
Die Wirtin sieht recht gerne Blüten,
wozu ihr schon die Eltern rieten,
doch nur aus Biomasse.
Beim Umsatz auf der Kegelbahn,
was jeder wohl bestätgen kann,
warn nie sie in der Kasse.
 
Der Helmut und der Michael,
sie fahren fort mit dem Vertell,
auch Manfred mit dem Paulus.
Und wer genügend intus hat,
egal, vovon - ist er erst satt -
wurd nie dadurch zum Saulus.
 
Frau Wirtin hat(te) ne Kegelbahn.
Bald fängt sie dort zu baggern an
Dann fallen alle Neune!
Doch stehn sie nun nie wieder auf,
kein letzter Kranz kommt oben drauf,
nicht lustig, wie ich meine.
 
Und kommt der liebe Nikolaus,
dann zieht´s die Lehrer neu hinaus
zum alten Tatort wieder.
Schwer ist´s, das Gute zu vergessen,
drum wolln wir heut was Richtges essen
zum Klang der Dankeslieder.
 
PS:  Frau Renkes ist´s, die macht es? Ich dacht es!
 
 
Konsequenz
 
Seit Jahrzehnten, kann man sagen,
fuhr er stets Mittelklassewagen.
Es macht´ihm Spaß, auf freien Wegen
sein Hobby "Autofahr´n" zu pflegen.
Seit gestern doch, man ist erstaunt,
ist er schlecht drauf und mies gelaunt:
Das Fahren in der Automasse,
das wär´für ihn nur letzte Klasse.
Auch fände er die Staus abscheulich,
so saß er fest, dreimal, jetzt neulich.
Die Stimme wurd´ bedrohlich schon,
sprach er von Abgas und Ozon.
Auch würden kranke Eichen sterben
und ihm des Nachts den Schlaf verderben.
Und dann: der Spritpreis, welch Desaster,
es käm´ihm vor, als führ´ er  ´nen Laster!
Mensch, an den Ampeln, stopp und los!
Nur ´n Känguruh fänd´das famos.
Das Auto macht´ ja nur noch Sprünge!
Als ob es nicht auch ohne ginge!
In der Kolonne, ´s wär´ kein Traum,
säh´ man vor sich nur Kofferraum.
Oh, dieses Bremslicht, dieses Rot!
Wär´ er ein Stier, der wäre tot!
Und auch das Radio er hasse,
meld´t´ neulich Schafe auf der Straße.
Sein Wagen wär´ ein Teufelsding,
an dem er fortan nicht mehr hing´.
 
Um seine Aussagen zu schmieren,
ging er, stets sichtbar, nun spazieren.
Sein Auto, jeder hat´s gerafft,
hat er ganz plötzlich abgeschafft.
Ein jeder, der den Mann gut kennt,
sagt: "Prima, der ist konsequent!
Er ist ein Schützer der Natur,
ach, gäb´ es davon viele nur!"
 
Doch bereits nach wen´gen Wochen
hat sich was herum gesprochen,
jetzt wissen es die allermeisten:
Er konnt´ kein Auto sich mehr leisten!
 
Fazit:
 
Es tritt im Zwange einer Lage
die Heuchelei sehr bald zu Tage.
 
 
Betriebstechnische (Lauf-) Bahnstörung
 
Rot glüht die Ampel
am Weg meines Lebens.
Grün ist erloschen,
wart´ nicht  vergebens.
 
Einst war der Weg frei
zu lehren und dienen.
Bald fahr´ ich abseits
auf neuen Schienen.
 
Doch in alle Dunkelheit
strahlt der Abglanz jener Zeit.
 
Rot glüht die Ampel
am Weg meines Lebens.
Wart ´nicht  vergebens,
ewig vergebens auf mich.
 
 
Läuterung eines Tierfreundes
 
Dass mir mein Hund viel lieber sei,
sagst du, o Mensch, sei Sünde:
Der Hund blieb mir im Sturme treu,
der Mensch nicht mal im Winde!
 
Dass mir ein Mensch viel lieber sei,
ist niemals eine Sünde.
 
Dem Hund ist jenes einerlei,
im Sturm so wie im Winde.
 
 
Lebensabschnitte
 
Der Abschnitt trennt den Lebensfluss
des Menschendaseins wie ein Muss.
 
Als ich mit Sechs zur Schule kam,
fing schon mein zweiter Abschnitt an.
Den ersten hatte ich verpennt,
als man die Nabelschnur durchtrennt.
 
Der nächste - man erahnet´s schon -
war mit Neun die Kommunion.
Da evangelisch ich gelitten,
wurd erst mit Vierzehn ich "geschnitten".
 
Ein weit´rer Abschnitt - sehr verbreitet -
wurd vom Beruf her eingeleitet.
Ein neuer Abschnitt, so ich find,
waren Ehe und das Kind.
 
Der jüngste Abschnitt, wie ein Lohn,
begann recht(-)zeitig als "Pension".
 
Jetzt schnitt der Arzt im Krankenhaus
ein Stück vom Darm aus mir heraus.
Ich hab darob recht sehr gelitten -
geschrieben  stand´s mir im Gesicht:
 
"Ich rechnete schon oft mit Schnitten,
mit solchem Abschnitt aber nicht."
 
 
Lebensverlängerung
 
An der Wand die Standuhr tickt.
Ihr Schlag macht mich derzeit verrückt.
So mahnt sie jede Stunde an,
dass Lebenszeit von mir zerrann.
 
Doch sollte es uns nicht verdrießen
zu fühl´n, dass wir einst sterben müssen.
 
Ich hab´ die Uhr jetzt abgegeben!
Gott schenke mir ein langes Leben!
 
 
Liebe im Dunklen
 
Der Maulwurf sprach zur Maulwürfin:
"Du weißt nicht, wie verliebt ich bin,
will ständig kräftig nach dir graben."
Die Maulwürfin sprach daraufhin:
"Spürst du denn, wie verliebt ich bin?
Kannst meine Schaufeln auch noch haben."
 
Beobachtung:
 
War der Maulwurf heut aktiv,
mag's sein, dass er schon mit ihr schlief.
 
 
Behütet
 
Ein Kopftuch und ein Damenhut,
die zog es aus dem Haus.
Da sprach der Damenhut zum Tuch:
"Du siehst verboten aus!"
 
Das Kopftuch sprach zum Damenhut:
"Dich trägt man nur, weil's modisch.
Doch mich trägt man aus Tradition,
die religiös. Wie logisch."
 
Überlegung:
 
Ob Glaube oder Tradition,
ob Zeichen oder Mode,
behütet mögen beide sein von Gott,
bis hin zum Tode!
 
 
Liebe Lea!
 
Der Jakob schaute sicher zu
aus seiner sanften Himmelsruh´ -
da er den Klang des Namens kennt
noch aus dem Alten Testament -
als du in dieses Leben trat´st
und deinen festen Platz erbat´st.
Du hast geschrien. Warst schon krank?
Nun geht es besser?  Gott sei Dank!
Dein´ Mutter hatte viel zu leiden
und niemand wollt´ sie drum beneiden.
Es sollte alles leichter gehen!
Dass DU nun da!  - Besonders schön!
 
So werden Schmerzen erst,  nachdem
sie nachgelassen, angenehm
und steigern sich zur größten Freude!
Alles Gute für Euch beide!
 
 
Liebgewonnenes
 
Auf dem Balkon, in kaltem Winde,
steht noch die alte Zimmerlinde.
Sie musst´ dem neuen Schrank aus Kiefern
nun ihren alten Stammplatz liefern.
 
So ist´s: Was neu, wir heute loben,
wird morgen vielleicht abgeschoben.
 
Zurzeit erfreut ein neuer Schrank!
Die Zimmerlinde? War doch krank!
 
Der Krisen-Euro
 
Euro gewinnt, DE-Mark verliert!
Millionäre !  Reduziert
wird eure Zahl im nächsten Jahr
so um die Hälfte !  Ist es denn wahr? :
Was ich mir kaufe, ich begehre,
kost´ halb so viel? Ach, wenn es so wäre!
 
Was ich jetzt hörte - kann man´s raffen ? -
man ist dabei, ´s Geld abzuschaffen!!
Du meinst, dies sei  geholt weit her?
Ich hatte gestern schon keins mehr!
 
P.s.:  Die Nachricht kennt doch jeder, diese:
          Wir leben in ´ner "Kohlekrise"!
 
 
 
Inter Ruptus
 
Als Kind las ich einmal in einem Buch
nur die Hälfte der Seiten und fand dies genug. 
 
Im Alter las ich den Rest interessiert -
dazwischen jedoch war gar nichts passiert!
 
 
 
Der Lieblingskomponist
 
Ach, wenn er doch mal Mozart wär´!
Dann würden Noten , Tonnen schwer,
ihn innerlich berauschen.
 
Doch auch den Joseph Haydn
konnt´ er von Kind an leiden
und tat ihm oftmals lauschen.
 
Für Dvorak und Herrn Smetana
hatt´ er stets off´ne Ohren, ja,
hat manchmal mitgesungen.
 
Auch Wagner mit dem Super-Ring
erachtet´ er als großes Ding
und nibelte mit Lungen.
 
Dann Gershwin und G. Meyerbeer
begeisterten ihn manchmal sehr,
auch wenn sie Zeit ihm klauten.
 
Bei Glinka und Rachmaninoff
gab es  bisweilen echten  Zoff
mit seiner Angetrauten.
 
Doch nun seit Jahren geht er
mit dem Tschaikowsky Peter
innerlich vereint.
 
So fand er erst gen Ende -
denn Noten sprechen Bände -
in ihm den wahren Freund.
 
 
Der Rastlose
 
Der Baron von Winkelsruh,
er machte jüngst die Augen zu.
Ihn hatte - noch im Lebenssaft -
die letzte Flucht dahin gerafft.
War immer jeweils nach drei Wochen
zu neuen Zielen aufgebrochen.
Er lebte kurz nur an der Küste,
versuchte es dann in der Wüste,
und in den Bergen, wurd´ gesagt,
hat er nur eine Nacht verbracht.
Er regt sich auf über Lapalien.
So war er kürzlich in Australien,
um vor sich selber zu entflieh´n,
sein Weib hätt´dies ihm nie verzieh´n.
In Kapstadt und auf den Antillen
wollt er die inn´re Leere füllen.
Er hat es stets erneut versucht,
doch blieb er "Kimbel auf der Flucht".
Und als nach Grönland fuhr der Mann,
kam er nur bei sich selber an.
Auch jetzt am Grabe wurd´ erwähnt,
   sein Tod sei nur vorübergeh´nd.
 
 
Die beiden Softies
 
Oh Winter, du Softie, ich spür es genau:
Du kommst in die Jahre, wirst langsam lau.
 
Oh Frühling, du Softie, ich will dich nicht hetzen,
du bist noch zu jung, dich durchzusetzen,
noch ducken sich nämlich im Raureif der Rinden
die Knospen unter den kühlen Winden.
 
Doch heut über Wiesen mit glitzerndem Tau
vermehrt sich entwindet ein zaghaftes Blau,
bis jeder am Mittag entdeckt frische Spuren
von mildsanftem Licht in trübweiten Fluren.
 
Oh Frühling, ja Frühling, ich spür´s bis ins Mark,
du kommst in die Jugend, werd endlich nun stark!
 
 
Der Strahlemann
 
Ein Mann ging einst zum Urologen
und log, dass sich die Balken bogen:
"Mein Strahl ist immer noch soo dick!
Dies in dem Alter, welch ein Glück."
 
"Bevor ich Sie nun auch so lobe,
stell´ ich Sie erst man auf die Probe,"
sprach der erfahr´ne Urologe.
 
Doch sieh, der Strahl, welch Missgeschick,
war nur noch millimeterdick.
 
Und aus dem Mund des Mannes lockt er,
der "Pissologe", unser " Dokter":
 
"Das Lügen wie auch die Prostata
hab´ ich geerbt von meinem "Vata."
 
Schlussfolgerung:     
 
Man soll einem Arzt nichts vor-machen.
 
 
Der Turm
 
Es steht ein Turm auf plattem Land.
Mein Opa hat ihn schon gekannt
und täglich neu bestiegen.
 
Der Turm war immer namenlos,
mein Großpapa stets gnadenlos
mit seinen frechen Lügen.
 
Den Turm hab ich unjüngst gesucht
und nicht gefunden, ihn verflucht!
Dem Opa noch ´ne Rüge!!
 
Besucht hab ich neulich sein Grab.
Die Inschrift mir zu denken gab:
Sein Tod wär auch ´ne Lüge.
 
Schlussfolgerung:
 
Die Auferstehung kommt wohl schnell,
ich meine,
denn Lügen haben doch - gell? -
kurze Beine.
 
 
 
Der Verlust
 
Die Katze Mjau verlor ihr Kind
im großen Maisfeld-Labyrinth.
 
Auch nach der Ernte sucht die Mutter,
wahrscheinlich ist´s in ihrem Futter.
 
Der wehe Zahn
 
Ich fuhr einst mit der Straßenbahn,
da fing mein Zahn zu schmerzen an.
 
An jeder nächsten Haltestelle
stieg ein ´ne neue Schmerzenswelle.
 
Die Bahn fuhr oftmals  über Weichen.
Mein Schmerz ging fast schon  über Leichen - 
hielt nichts von "Weichen".
 
Dezember
 
Zirrehl ,  Zirrehl  ,  Zirrehre !
Taubtrüber Wind im Buchenginst!
Entfachst dürrer Blätter zitternde Leere.
Glut, fräulich jung,
entringt sich
dem Horizont.
Sechzehn Uhr sechzehn nun,
das Feuer im Aus.
Die hohe Schleife fortan nimmt
der Monnt.
Einsam des Nachts
wer ganz in Schwarz
sich sonnt.
 
 
Die drei Schwestern
 
Es lebten einst drei Schwestern
in einem morschen Haus.
Sie waren längst von gestern,
drum sahen alt sie aus.
 
Die erste spann den Faden
am Spinnrad bis zur Nacht.
 
Die zweite buk die Fladen,
hat´s Essen stets gemacht.
 
Die dritte wusch Gardinen
und hing sie auf und ab,
besaß nie Waschmaschinen,
so blieb sie mehr auf Trab.
 
Trotz jener Arbeitsteilung
kam man nicht dran vorbei:
Vertreten wurd die Meinung,
sie spönnen alle drei!
 
 
Die Grille und die Ameise
 
Die Zikade - voller Wonne
und Gesang in Sommersonne -
find´ sich plötzlich überrascht,
als der Winter sie erhascht.
 
Nirgendwo ein Stücklein Brot!
Kein Körnchen für die Zeit der Not!
Und voller Angst und Schrecken gar,
klagt sie, was ihr geschehen war,
der Ameise, der Nachbarin,
die sehr berühmt als Sammlerin.
 
Die Ameise, ein Tier von Fleiß,
verleihet nichts, um keinen Preis!
So weiset sie mit kaltem Blick
die dreiste Bettlerin zurück:
 
"Was machst du nur zur Sommerzeit?"
"Ich? Sing´ und jubilier´ mit Freud´ ."
"Du singst im Sommer? Zwar freut´s mich sehr... .
Jetzt - tanz´ im Winter um so mehr!"
 
(nach Jean de la Fontaine)
 
 
Die Postbotin
 
Es war einmal ein ält´rer Lehrer,
der ward von Tag zu Tag verquerer.
Was vormals Nerven war´n von Rang(k),
lag länger schon bisweilen blank.
So hätt´ er gern - so wurd´s gepfiffen -
zum Rohrstock neu zurück gegriffen.
Auch fehlte er bisweilen auch.
(So kam es nicht zum Kindsmissbrauch).
Die Eltern wurden immer jünger
und er stets älter - noch viel schlimmer.
Sein Arzt sprach: "Mensch, Sie werden krank,
nicht nur die Nerven liegen blank,
ich plädier´ für Ruhestand,
wo manch Genervter Ruhe fand.
 
Nun geht der Lehrer oft spazieren,
hat Nerven - keine zu verlieren.
Und beim Wandern, ´s ist zum Schrei´n,
da fall´n ihm solche Sachen ein.
 
Die alte Postbotin `rück grinst,
als gäb´s ein Leben nach dem Dienst.
 
 
Die Sechs
 
Für Christophs Vater, voller Wut,
ist Elternsprechtag wirklich gut.
 
Sein Ton, er wurd gefährlich schon,
beim Fachlehrer für Religion:
Es könnt nicht sein, doch nie im Leben,
in Religion ´ne Sechs zu geben!
 
Herr Krause sprach: "Es tut mir leid,
Ihr Sohn wusst´ selten mal Bescheid.
Was er zuletzt nicht einmal wusste,
dass Jesus Christus sterben musste!"
 
Da nahm der Vater ihn zur Seite
und sprach: "Wir sind schon lange Pleite,
wir haben wegen wenig Geld
nun auch die Zeitung abbestellt.
Uns´re Nerven liegen blank,
wir wussten nicht mal, dass er krank!
 
 
Die Weihnachtsgans
 
Gar manche Gans vorm Weihnachtsfest
ahnt, dass sie bald ihr Leben lässt.
Denn auf dem Festtagsspeisenplan
steht´s  Federvieh ganz oben an.
So ist es auch mit Gans Mathilde,
doch ist sie stark, führt was im Schilde.
Sie denkt: Heut wird nicht übernachtet,
viellleicht werd ich morgen schon geschlachtet.
So fliegt sie in der Nacht davon
und lebt jetzt bei Nils Holgersson.
Die and´ren Gänse machten´s nach,
doch dazu waren sie zu schwach.
Es trugen ihre stolzen Flügel
sie grad mal über Nachbars Hügel.
So kommt´s, dass jede Gans fortan
als Weihnachtsbraten enden kann.
 
 
Die zwei Hähne
 
Wenn morgens früh der Haushahn leckt,
werd´ ich recht zeitig aufgeweckt.
 
Der alte Haushahn ist nun bos,
weil: Er ist jetzt arbeitslos.
 
 
Dieselbe Antenne
 
Auf  Nachbars Antenne sitzen zwei Tauben.
Wie's die heute treiben, ist kaum zu glauben.
Zum Glück kann dies bei uns nicht geschehen,
wir haben nämlich Kabelfernsehen.
 
Auf Nachbars Antenne sitzen viel Tauben.
Was die so verschmutzen, ist kaum zu glauben.
Doch unsern Nachbarn ficht das nicht an,
er sieht sowieso ein beschiss´nes Programm.
 
 
Gezeiten  
(aufgeschrieben bei Geh-Zeiten in Ostfriesland)
 
Ebbe
 
Der Angler  fing sich   einen  Barsch,
das Wasser stand ihm bis zum Knie.
Ich weiß, dass dies sich reimen tut
bei   Ebbe   nicht, jedoch  bei Flut!
 
Nippflut*
 
Der Angler gönnte sich "ein Bit".
Es kam die Flut und nippte mit.
 
Springflut**
 
Die Flasche wollt kein Leergut sein.
Da kam die Flut und sprang hinein.
 
 
*   Flut bei Halbmond  (norddeutsch)        
** Flut bei Voll-oder Neumond
 
Sturmflut
 
Wenn kommt die Flut mit starkem Sturm,
entreißt der Angel sie den Wurm.
 
 
 
Egal wann
 
Die Fastenzeit mit Magerquark
macht  Menschen  Geist und Seele stark.
Es ist weiß Gott nicht zu verkennen,
Enthaltsamkeit "sehr gut" zu nennen.
Gar mancher fand aus seinen tauben
Gefühlen wieder hin zum Glauben.
 
Auch ein Poet zur Fastenzeit
erstrebet  die Enthaltsamkeit,
bezieht dies aber nicht aufs Dichten,
denn dies sind seine ständ´gen Pflichten.
 
Fazit:
 
Wann auch ein Dichter sich enthält,
wird er vergessen von der Welt.
So kommt es, dass -als wärs verboten -
man selten spricht noch von den toten.
 
 
 
Ein letzter Wunsch
 
Der Bauer Hans sich fertig machte,
um seine letzte Gans zu schlachten.
Doch ist er weit im ganzen Land
als Tier- und Menschenfreund bekannt.
So fragte er die Gans sehr nett,
ob sie noch was zu melden hätt´,
´nen letzten Wunsch dürft´ sie noch sagen,
bevor es ihr ging an den Kragen.
Die Gans sprach, es würd´ sie beglücken,
noch einmal aufzuzieh´n acht Küken.
Da ging der Bauer froh ins Haus
und mit dem Braten war es aus.
 
 
Ende der Osterferien
 
Verklungen sind die Urlaubslieder
und Penne hat Pennäler wieder.
Gestärktes Lehrgut, forsch zu lehren,
sieht man den Schulhof überqueren.
Allein die Eier fühlen sich frei,
weil ihre Stresszeit ist vorbei.
 
Im Sand spielt nur ein kleiner Junge
und Mutter pflegt die Raucherlunge.
Der große Bolzplatz ist verwaist
bis auf den Hund, der darauf scheißt.
Verklungen ist der Lärm der Kids:
Der Schulbeginn ist wohl kein Witz.
 
Ja, früher war ich mit im Spiel,
versuch mich jetzt im Mitgefühl,
und jenes ist recht nämlich
dem Ei-Gefühl sehr ähnlich.
 
PS:
 
Dass ich's am Ende noch erwähne:
Ich schrieb die Zeilen ohne Häme.
 
 
Die Lerche
 
Die Lerche hat ´nen Mann gefunden,
verbringt mit ihm jetzt Vögelstunden,
und seit der Trauung in der Kerche
trägt sie den Namen "Haubenlerche".
 
Bemerkung:
 
Was mit Vögeln beginnt, endet manchmal unter der Haube.
 
 
Das letzte Blatt
 
Das letzte Blatt am Ahornbaum
hält sich ganz fest, hat einen Traum
aus hellen Sommerzeiten,
als sich die  Blätter reihten
an Zweigen und im Winde
sich neigten hin zur Rinde.
 
Das Blatt erbebt nun heimlich leise,
weil seine Freunde, haufenweise,
von ihrem Baum sind abgefallen.
Nun ist´s das einsamste  von allen.
 
Allein hält´s nun mit aller Kraft
Verbindung zu dem Lebenssaft,
der von den Wurzeln bis zur Krone
sich abschwächt, dass der Baum sich schone.
 
Kann mich des Eindrucks nicht erwehren,
als wollt das Blatt den Baum verehren,
hat sich seit gestern stark verbogen
und bunte Seide angezogen.
 
Dies eine Blatt - zu glauben kaum -
scheint mir, als trüge es den Baum,
als sei es grade umgekehrt,
dass es den starken Baum ernährt.
Als lehnten sich Zweige, Wurzel und Stamm
an ihr Blatt, das letzte von allen, an.
 
Ein kleiner Windstoß mittendrin,
auch dieses Blatt fliegt nun dahin.
Lässt sich, froh tanzend, statt zu klagen,
vom Wind zum anderen Ufer tragen,
und ich erkenne augenblicklich:
Was wirklich lebt, das endet glücklich.
 
 
Im Vorübergehen
 
Ein rauer Hauch in klarer kalter Nacht
hat in den Bäumen neues Licht entfacht.
Der Sommer weilt im wilden Kurdistan,
das Laub hat seine Schuldigkeit getan,
webt nun den Teppich neu um seinen Stamm.
 
Jahraus, jahrein der zyklisch ew´ge Gruß.
Der Apfel wird zu Saft und süßem Mus.
Trägt jetzt schon in sich heimlich und mit Macht
des Frühjahrs Schimmer neuer Blütenpracht.
 
Die Bekanntschaft
 
Beim letzten Gang auf Wirtschaftswegen
kam mir ein schwarzer Hund entgegen.
Er wich, obwohl in Feldesweite,
nun nicht mehr fort von meiner Seite.
Er drehte um mich seine Runden,
hatt´ wohl ´nen neuen Herrn gefunden.
Die Forderung, nach Haus zu gehen,
konnt und wollt er nicht verstehen.
Nach einer Stunde wurd mir klar,
dass ich nicht Herr der Lage war.
 
Doch plötzlich stand am Heckenrand
ein and´rer Hund, der ihn wohl kannt´.
Und dieses Tier, man sagen kann,
zog meinen Hund ganz in den Bann.
So konnte ich durch schnelles Schleichen
meiner Bekanntschaft still entweichen.
Erst später wurde mir dann klar,
der Hund normal veranlagt war!
 
 
Sommerzeit
 
Sonntagnacht um zwei Uhr früh,
wie Heinzelmännchen kommen sie,
die Kobolde, die netten kleinen,
um eine Stunde zu beweinen.
Es wird der Zeiger von der Zwei
gleich vorgefahren bis zur Drei.
 
So geht die Sonne später auf,
beendet später auch den Lauf.
Ein jeder Mensch bemerkt nun schnell:
Des Abends ist es länger hell.
 
In Wirklichkeit hat in der Nacht
der Mensch sich selbst was vorgemacht.
 
Das Wörtchen "Vorzeit" immerhin
zum Glück hat noch den alten Sinn.
 
 
Advent in der Schule
 
In der Schule wird gesungen.
Die Kinder springen froh herum.
Es ist Advent, so hat´s geklungen.
Es fällt ein Kartenständer um.
 
An den Tafeln Kreidespuren,
an den Fenstern Sterns Getue.
Welch ein Sausen auf den Fluren.
Es ist Advent, die Zeit für Ruhe.
 
Im Klassenraum, auf Stühlen, Tischen,
wird frohe Arbeit angeboten.
Aktivität in allen Nischen.
Ein Nikolaus schenkt keine Noten.
 
Auf Wiedersehn! Welch ein Gewimmel,
welch ein Geräusch, und ach, so nah!
Es ist Advent, so schreit´s zum Himmel.
Der Kartenständer liegt noch da.
 
Advent
 
Die Adventskranzkerze lehrt,
dass sie, weil sie sich selbst verzehrt,
sich Weihnachten beständig näh´rt.
 
Der Mensch jedoch, im Lichterglanz,
vermehret ständig die Substanz.
So glimmt das Fest - man hört´s nicht gerne -
für manchen nur noch in  der Ferne.
 
 
Am Grabe der Mutter
 
Ach, Mutter, wage es nicht, dich zu
trauen
hinab zu schauen
auf dein stolzes Lehrerkind
von einst,
denn du weinst
und du glühst,
wenn du siehst,
wie es wird von den "Kids"
verhauen.
 
 
An der Strecke
 
Der federnde Stahl
des Schienenstrangs
weiß den Weg,
den Weg, den er tausendmal wies.
Er glänzt silbern
und spiegelt den engen Pfad,
von tausend Rädern geschliffen.
 
Die schwere Lok saugt Energie
aus dünnem Draht und
lässt den Boden erzittern.
Bullig und stur rollt sie heran,
unaufhaltsam,
sich ständig beschleunigend.
Kraftvoll reißt sie
ihre Waggons
mit sich fort.
Sie rauschen und heischeln
hinter ihr her
mit schneidendem Getöse.
Eine Sinfonie
aus Eisen und Stahl,
schwer, träge
und in voller Bewegung
stürzt auf mich ein
mit donnerndem Hufschlag
der Achsen.
 
Es biegt sich der stählerne Strang
und wiegt sich auf und ab.
Ich erschöpfe mich in Kraft
und sauge auf die Stärke
des zitternden Eisens.
 
Der Weg liegt vor mir,
es treibt mich zur Eile,
kein Nichts hält mich auf.
Es schlagen die Schienen
im Rhythmus von Gleichmaß
und treibender Energie.
Stur, gewaltig,
ohne Rück-Sicht
gleitet die Lok
über den gleißenden Stahl.
 
Dieser führt mit Leichtigkeit
Tonnen schwere,
entfesselte Kräfte
in festgelegte Ziele,
an der Perlenschnur
des Stromes aufgereiht.
 
Wehe, wenn diese Kraft
sich bahnt
die Erfüllung
abseits der Gleise!
Doch ruhig, es ist vorgesorgt
für den sicheren, engen Weg.
Signale wachen, regeln Kräfte
und Geschwindigkeiten,
 
verhindern ein Unheil.
 
In meinem Sinn klingt es nach,
das Schlagen, Rattern und Donnern.
 
Der Zug ist Weg, abgefahren
für jeden,
der jetzt auf ihn
noch wartet.
 
Wer ihn versäumte,
besitzt keine Achtsamkeit.
 
 
Applaus
 
Der Pianist im Staatsorchester,
so las man in der Zeitung gestern,
hat in der Probe letzte Nacht
den Ersten Geiger umgebracht.
 
Er griff aus Missgunst wohl zum Messer:
Der Geigenmann war nämlich besser,
erhielt er doch nach allen Werken
stets mehr Applaus - und auch den stärk´ren.
 
Der Pianist spielt bis zur Neige
jetzt vor Gericht die "erste Geige". -
 
Doch der Applaus ?
 
Bleibt aus.
 
 
Beschwingt
 
Nicht, wenn das Barometer fällt,
kommt neuer Kummer in die Welt.
 
Nicht, wenn das Barometer steigt,
die weite Welt zur Freude neigt.
 
Wie eine Kluft es in dir klafft,
weil deine Stimmung wechselhaft.
 
Heut gehst du wieder ohne Freude
und gibst dich hin dem Selbstmitleide.
An jeder Ecke wartet schon
die nächste, tief´re Depression.
 
Siehst du den Vogel dort, die Schwingen,
die frei ihn tragen zu den Dingen?
Jetzt setzt er sich auf einen Ast.
 
Bedenk doch, dass du Flügel hast!
 
 
Bitte lächeln
 
Ein Lächeln ist anderem Bemüh´n
im allgemeinen vorzuzieh´n.
 
Konträre Wirkung es entfacht
meist dort, wo es nicht angebracht.
 
 
Blickfang
 
Wenn ich in den Spiegel schau,
dann sehe ich es ganz genau:
Ich werde älter.
 
Wenn ich aus dem Fenster schau,
dann sehe ich es ganz genau,
es wird nun kälter.
 
Wenn ich in die Augen schau
von Pastor Sauermanns Wauwau,
dann plötzlich bellt er.
 
 
Computerehe
 
Wie liebte ich einst den Computer!
Gab stets ihm auch genügend Futter.
 
Mein Computer war so schnell -
doch wurd´  er zunehmend Rebell.
 
Wahrscheinlich mag er mich nicht leiden! -
 
Ich glaub´,  ich lass mich von ihm scheiden.
 
 
Computer-Leben
 
Am Computer sitzend streben!!
Dies ist erst das halbe Leben.
 
Die and´re Hälfte wird gewürzt
dadurch, wenn er erst abgestürzt.
 
So wird das Leben toll verkürzt.
 
 
Das Gleichnis vom verlorenen Gedicht
 
Als Kind hört´ ich, noch klein und brav,
das Gleichnis vom verlor´nen Schaf.
Ein Schäfer hatte,  heißt es hier,
von hundert ein vermisstes Tier,
und dieses,  bis gen Tagesende,
hat er gesucht,  damit er´s fände.
Dabei hat er, man kann´s kaum fassen,
die neunundneunzig stehen lassen!
Aus lauter Liebe tat er´s nur
zu der verlor´nen Kreatur.
 
Von Ähnlichem hier mein Bericht:
 
Es geht ums hundertste Gedicht,
auch dieses bis zum Tagesende
hab ich gesucht, damit ich´s fände.
Ich fand es nicht,  bin aufgeblieben
und habe diesen Text geschrieben.
 
Am nächsten Tag - wer wär´verwundert -
ergab mein Zählen wieder hundert!
 
 
Der alte Köster
 
Der alte Köster auf der Bank
ist breit fast wie ein Kleiderschrank,
und sein Geruch von saurer Seife
vermischt sich mit der süßen Pfeife.
Als junger Seemann fuhr er munter
die Ozeane rauf und runter,
trug manchen Orden an dem Hemd,
erwarb sogar ´´s Kapitänspatent.
 
Danach begann er, Schnaps zu trinken,
fiel öfters um, begann zu hinken.
Mit Fahne stand er, das ist wahr,
am Ruder, was gefährlich war.
Es kam dann auch zum ersten Crash
und ´´s Kapitänspatent war weg.
Dann lief zuletzt der alte Bruder
nun auch noch selbst aus seinem Ruder.
 
Geblieben ist dem armen Tropf
nur noch sein Schiffchen auf dem Kopf.
 
 
Der Anrufbeantworter
 
Ansage 1
 
Dies Telefon ist nicht besetzt
zur Zeit, doch sind Sie nun vernetzt.
Jetzt können Sie Ihr Sprüchlein sagen
nach dem Signal - woll´n Sie ´s nicht wagen?
 
Ansage 2
 
Da haben Sie nun leider Pech,
bin nicht im Haus, bin nämlich weg.
Doch rufen Sie mein Handy an,
dann bin ich da und geh´ meist ran.
Doch nun die Nummer, jetzt wird´s schwer.
Nun muss Papier und Bleistift her.
Zunächst die Null, Eins, Sieben, Sieben,
doch dabei ist es nicht geblieben.
Es folgen Acht, Elf, Fünfzehn dann,
häng´ noch ´ne Sechsundneunzig dran.
O, Ihr Bleistift tat grad brechen,
jetzt wird´s schwierig, mich zu sprechen.
Warum rufen Sie nicht an,
wenn ich wirklich dran gehen kann?
 
Schlussansage
 
Liebe Stimme, darf ich´s wagen,
Ihnen nun Adieu zu sagen?
 
 
 
Der Computer-Crash
 
An seiner Melkmaschine sitzt
der Bauer Hein, total verschwitzt:
Denn nach dem ersten Neujahrsknall
hat er sogleich ´nen Stromausfall.
Jetzt findet er es wirklich schad´:
Er hat kein Notstromaggregat.
 
Jetzt schaltet er auf Handbetrieb,
was er bislang ja stets vermied.
Die Kuh Magrit in ihrem Zwinger
spürt nun am Euter kalte Finger.
Sie stutzt zwar in der Dunkelheit,
doch ist zum Melken sie bereit,
und neben altem Melkgestühl
entdeckt sie neues Melkgefühl,
verdreht die Augen - sinnlich gar -
was für den Hein nicht sichtbar war.
 
So schafft er es, mit straffen Händen
die Milch dem Euter zu entwenden.
 
Bauernregel:
 
Beim Stromausfall zur Jahreswende
bekommt manch Bauer warme Hände.
 
 
Der gebrochene Politiker
 
Ein Rennradler, vor ein paar Wochen,
hat sich die rechte Hand gebrochen.
 
Er fuhr bergab mit Tempo hundert,
er bremste nie - man war verwundert.
So ist er auch dann hingeflogen
übern Zaun im hohen Bogen,
und kurz, bevor er kam zur Ruh,
zog er sich die Verletzung zu.
 
In Politik macht er nun Pause,
er ist genesend, jetzt zu Hause.
 
So kommt es, wenn man dann und wann,
den Rücktritt nicht erwägen kann.
 
 
Ewiger Mai
(Geistliche Fassung)
 
Der Mai ist gekommen,
der Kuckuck auch.
Ich hab ihn vernommen
im blühenden Strauch.
 
Der Mai wird nicht bleiben,
der Kuckuck auch nicht.
Bald werde ich schreiben
ein Junigedicht.
 
Der Juni gekommen
mit Sommer im Land.
Ich hab ihn vernommen,
ihn wieder erkannt.
 
Auch er wird nicht bleiben,
der Sommer selbst nicht,
und ich werde schreiben
ein Juligedicht.
 
(Der Juli gekommen.....) 
 
Der Mai ist gekommen,
der Kuckuck nicht stumm.
Erneut hab´s vernommen:
Ein Jahr wieder um.
 
Dies Jahr wird nicht bleiben,
das nächste auch nicht.
Dereinst werd ich schreiben
mein letztes Gedicht.
 
Der Mai wieder ´kommen,
mein Kuckuck tat klagen.
Ich hab´s zwar vernommen,
doch Gott hatt´ das Sagen.
 
Lass Tod ruhig kommen:
Nach Jüngstem Gerichte
mir bleibt´s unbenommen,
   zu schreiben Gedichte.
 
 
Ewiger Mai
(Weltliche Fassung)
 
Der Mai ist gekommen,
der Kuckuck auch.
Ich hab ihn vernommen
im blühenden Strauch.
 
Der Mai wird nicht bleiben,
der Kuckuck auch nicht.
Bald werde ich schreiben
ein Juni-Gedicht.
 
Der Juni gekommen
mit Sommer im Land.
Ich hab ihn vernommen,
ihn wieder erkannt.
 
Auch er wird nicht bleiben,
der Sommer selbst nicht,
und ich werde schreiben
ein Juli-Gedicht.
 
(Der Juli gekommen.....)
 
Der Mai ist gekommen,
der Kuckuck nicht stumm.
Erneut hab´s vernommen:
Ein Jahr wieder um.
 
Dies Jahr wird nicht bleiben,
das nächste auch nicht.
Und ich werde schreiben
noch  ´n Gedicht.
 
Mai wied´rum gekommen.
Der Kuckuck schon heiser,
ich hab es vernommen:
Er ruft nun auch leiser.
 
Im Jahr darauf -
ich höre es schon -
gibt er es auf
und geht in Pension.
 
Wenn kümmert denn dies?
Wer wird es beklagen?
Der Kuckuck ohn´hin
hatt´ nie viel zu sagen.
 
 
 
*                                                                                                                                 *
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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